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Kein Aprilscherz: Stuttgart besiegt Schwerin erneut

In einem atemberaubenden Fünf-Satz-Krimi zweier absoluter Spitzenmannschaften der Volleyball-Bundesliga hatte am gestrigen Abend in der heimischen SCHARRena am Ende Allianz MTV Stuttgart die besseren Nerven. Vor tobendem Publikum schlug das Team von Head-Coach Guillermo Hernandez den Schweriner SC im ersten Playoff-Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft nach zwei Stunden Spielzeit mit 3:2 (13:25, 25:20, 25:27, 25:14, 15:13). Noch voller Adrenalin, aber strahlend bis über beide Ohren, resümierte Kapitänin Kim Renkema wenige Minuten nach Spielende: „Wir träumen unseren Traum weiter! Uns ist noch gar nicht richtig klar, was mit dieser Mannschaft möglich ist …“
 
Dass in einem Playoff-Halbfinale kein Team etwas zu verschenken hat, zeigte der erste Satz. Zumindest bis zum Stand von 7:7. Beide Mannschaften präsentierten sich gut gewappnet in Annahme, schnell im Zuspiel und druckvoll im Angriff. Doch dann nahm „die“ Spielerin des letzten Monats, Lonneke Sloetjes, wie zu befürchten war das Heft in die Hand und schoss Allianz MTV fast im Alleingang ab. Unterstützung erhielt sie dabei von einer ebenfalls gut aufgelegten Lousi Souza Ziegler. Eine Sechs-Punkte-Serie zum 7:13 und später noch mal vier Punkte hintereinander zum 10:20 brachten Stuttgart ab vom Kurs – und die Halle gespenstisch zum Schweigen. Das hatten sich nicht nur die Ehrengäste Oberbürgermeister Fritz Kuhn, VfB-Coach Huub Stevens und Rekordnationalspielerin Renate Riek-Bauer anders vorgestellt. Schwerin spielte durchgängig nahe an der Perfektion, nutzte alle Stuttgarter Schwächen aus und Sloetjes machte allein in der Breakpunktphase vier Punkte. So ging der Satz nach nur 20 Minuten ernüchternd mit 13:25 an die Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern.
 
Doch selbst Schwerin kann dieses Niveau in dieser Saison nicht dauerhaft halten. Und wer Allianz MTV zu diesem Zeitpunkt schon abgeschrieben hatte, sah sich ziemlich schnell eines Besseren belehrt. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison wuchs die Mannschaft um Mareike Hindriksen an ihren Aufgaben! Mit starken Aufschlägen, einer stabileren Annahme und somit schnellerem und präziserem Angriffsspiel konnte Stuttgart das Match nun ausgeglichen gestalten. Bis zum 12:11 konnte sich kein Team mit mehr als zwei Punkten absetzen. Doch man merkte den Stuttgarterinnen deutlich an, jetzt was „reißen“ zu wollen. Wieder einmal war es am gestrigen Abend Renata Sandor, deren Angriffswelle die Mitspielerinnen regelrecht mitriss. Mit zwei schnellen Attacken über links führten ihre Punkte zum 15:11, Stuttgart hatte sich etwas abgesetzt. Plötzlich schlichen sich ob des drohenden Satzverlusts auch bei Schwerin erste Fehler ein – und schon war Allianz MTV auf 18:12 enteilt. SSC-Trainer Felix Koslowski versuchte sein Team mit dem Austausch der Zuspielerin wachzurütteln (Imoudu für Nenova), Hernandez reagierte mit dem gleichen Tausch (Papafotiou für Hindriksen). Doch Schwerin konnte den Rückstand nicht mehr ganz wegmachen (und beide Trainer wechselten auch wieder zurück). Nach einem Ass von Anja Brandt war Schwerin zwar mit 24:20 wieder einigermaßen dran, doch Renata Sandor erstickte die aufkommende Hoffnung der SSC-Betreuer durch einen aggressiven Schmetterschlag links am Block vorbei im Keim.
 
Extrem ausgeglichen und auf höchstem (Spannungs)-Niveau verlief dann der oftmals vorentscheidende dritte Satz. Mit einer Weltklasse Annahme-Rettungstat und dem direkt danach auch krachend verwandelten Angriffsschlag mitten durch den Schweriner Block brachte die spätere MVP Renata Sandor Stuttgart erstmals deutlicher mit 8:5 in Front. Doch nach der technischen Auszeit kam Schwerin mit Mini-Breaks wieder näher ran, dabei ein umstrittener Punkt durch einen diagonal geschlagenen Angriff, den die ganze Halle eher im Aus gesehen hatte. Ein gellendes Pfeifkonzert für das Schiedsrichter-Team war die Folge. Beim Stande von 14:12 dann ein kleine, unerwartete Fehlerserie auf Stuttgarter Seite (ein Aufschlagfehler, ein Annahmefehler und ein guter Schweriner Block) – und schon stand es 14:16. Danach gab sich bis zum 24:24 kein Team mehr irgendeine Blöße, das Match hatte von der Klasse her seinen Höhepunkt erreicht. Und wurde jetzt von den Protagonisten der Bundesliga-Hauptrunde dominiert: Sloetjes, Souza Ziegler und Belien bei Schwerin und Sandor, Harms und Renkema auf Stuttgarter Seite. Wer würde den ersten Fehler machen? Spannung pur! Die Blocks waren auf beiden Seiten kaum noch zu überwinden, erfolgreiche Angriffe im ersten Versuch hatten somit Seltenheitswert. Renata Sandor wiederholte ihr Kunststück mit einer erneuten Rettungstat und dem direkt selbst versenkten Angriffsball zum 25:25. Doch danach flog Lousi Souza-Ziegler auf der linken Seite zweimal unbeschreiblich hoch über den Stuttgarter Block und beendete den Satz mit zwei krachenden Longline-Bällen hintereinander zum 25:27.
 
Tatsächlich die Vorentscheidung also? Nein. Stuttgart machte im vierten Satz schnell deutlich, dass man in eigener Halle, in der bisher nur Dresden gewinnen konnte, keinesfalls kapitulieren wollte. Mit einer Vier- und einer Drei-Punkte-Serie gleich zu Satzbeginn, zu denen Renata Sandor vier Punkte, davon ein Ass, beitrug, war Stuttgart schnell auf 14:6 , kurze Zeit später auf 21:9 enteilt und Schwerin somit quasi chancenlos. Das unglaubliche Stuttgarter Publikum feierte die Demonstration der Stärke mit ersten Sprechchören, Felix Koslowski schonte angesichts des Spielstands seine erste Top-Six und brachte die Ergänzungsspielerinnen, wobei allein schon das Wort Ergänzungsspielerin bei der Qualität des Schweriner Kaders eigentlich eine Frechheit ist. Hippe, Imoudu, Geerties und Poll konnten mit einer Vierer-Serie auch noch etwas Boden gut machen. Aber eigentlich waren alle gedanklich schon im Tie-Break. Ein weit ins Aus geschlagener Angriffsball von Jennifer Geerties beendete Satz 4 mit einem klaren 25:14.
 
Im Tie-Break wirkte Schwerins Top-Six dann zunächst tatsächlich etwas ausgeruhter, konnte sich aber punktetechnisch keinen entscheidenden Vorteil erkämpfen. Mal ein Breakpunkt hier durch Kathrine Harms, mal ein Breakpunkt dort durch einen Geerties-Block gegen Micheli Pissinato. Erst nach dem Seitenwechsel konnte sich Stuttgart etwas absetzen durch einen Aufschlagfehler von Saskia Hippe, einem erfolgreichen Hinterfeldangriff von Renata Sandor sowie einem Ass von Micheli Pissinato. 11:8, das sollte doch reichen? Doch nach einem Abspiel-Missverständnis zwischen Mareike Hindriksen und Renata Sandor kam Schwerin, sichtlich um seine Chance kämpfend, wieder auf 12:10 heran. Nach einem umkämpften Ballwechsel mit einer Abwehrschlacht auf beiden Seiten sorgte ein verschlagener Ball von Souza Ziegler für das 14:11. Drei Matchbälle. Das sollte doch jetzt aber reichen, oder? Nein, vorerst nicht. Lonneke Sloetjes mit einem Angriffsball im zweiten Versuch und Jennifer Geerties mit einem eigentlich unmöglich zu verwandelnden Ball aus dem Halbfeld brachten Schwerin auf 14:13 heran. Ausgerechnet der tapferen Lonneke Sloetjes war es dann vorbehalten, das Spiel durch einen abschließenden Aufschlagfehler zu Gunsten von Stuttgart zu beenden – und die ganze SCHARRena in ein Tollhaus zu verwandeln.
 
„Wir haben jetzt den Vorteil des gewonnenen ersten Spiels und den Vorteil eines Heimspiels, falls Match 3 doch nötig werden sollte“, freut sich Micheli Pissinato nach dem ersten Halbfinale gegen Schwerin. „Und dies vor diesem atemberaubenden Publikum! Das sollte doch reichen, oder?“ Das hoffen auch die Fans am Neckar, die einem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft genauso entgegenfiebern wie das Team selbst. Doch Schwerin wurde schon mehrfach totgesagt, auch am gestrigen Abend. Und stand immer wieder auf! Eine noch stärkere Leistung wird deshalb vonnöten sein, um am Samstag auch in Schwerin zu bestehen. Aber wer würde dem sympathischen Team aus Baden-Württemberg nach dieser Saison nicht auch dies zutrauen (und vielleicht sogar gönnen)?
 
Quelle: Allianz MTV Stuttgart



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