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Männer-WM: BRONZE für die DVV-Männer

Ja, wir haben die Medaille! Das Team schreibt Geschichte in Kattowitz (Fotohinweis: FIVB)


DA IST DAS DING! Die DVV-Männer haben Geschichte geschrieben und 44 Jahre nach WM-Gold 1970 durch die DDR-Männer die zweite WM-Medaille für Deutschlands Volleyballer gewonnen: Mit 3:0 (25-21, 26-24, 25-23) wurde Frankreich im Spiel um die Bronzemedaille bezwungen, das #ProjektYolo nahm ein glückliches und verdientes Ende. Das deutsche Team zeigte damit einmal mehr bei dieser WM, dass sie Niederschläge wegstecken kann – einer Niederlage folgte stets ein Sieg. Mit neun Siegen und vier Niederlagen beendete das Team ein Turnier, das Mannschaft, Fans und Verband noch lange in Erinnerung bleiben wird. Punktbeste Spieler im kleinen Finale waren Georg Grozer (19) und Denis Kaliberda (14) für die deutsche Mannschaft sowie Antonin Rouzier (12) für Mannschaft.

„Es war ein perfektes Spiel von unserer Seite!“ hatte Frankreichs Trainer Laurent Tillie den Journalisten nach dem ersten Aufeinandertreffen mit der deutschen Mannschaft in die Notizbücher diktiert. Demnach war beim zweiten Aufeinandertreffen die deutsche Devise klar: „Wir wollen es besser machen und den Franzosen Probleme bereiten!“ Und das gelang eindrucksvoll! Frankreichs bester Spieler, Earvin Ngapeth wurde mit Aufschlägen eingedeckt und somit etwas aus dem Spiel genommen. Zudem war das deutsche Team im Angriff überlegen (Quoten von 57% und 47% zu 50% und 41%), die „gefürchtete“ französische Abwehr stellte dieses Mal kein unüberwindbares Hindernis da. Georg Grozer und Denis Kaliberda trugen die Hauptlast im Angriff und machten ihre Aufgabe prima. Der „Hammerschorsch“ biss dabei gewaltig auf die Zähne, ging bereits mit einem dicken Tapeverband am rechten Oberschenkel in die Partie und knickte dort auch noch um. Aber der Wille des Diagonalangreifers riss die anderen wie beispielsweise Sebastian Schwarz mit, der eines seiner besten WM-Spiele zeigte. Nachdem im ersten und zweiten Satz der Angriff entscheidend war, packte im dritten Satz der Block zu. Sechsmal prallte der Ball erfolgreich in das französische Feld zurück, den zweiten Matchball versenkte Denis Kaliberda per Angriff – danach gab es kein Halten mehr, T-Shirts mit dem Aufdruck „DANKE - #ProjektYolo“ wurden übergestreift. Das deutsche Team hatte bei dieser WM nach einem verlorenen Spiel immer wieder zurück gefunden, so auch dieses Mal. Nur dieses Mal wurde es in Form einer sensationellen Medaille belohnt.

Viel Zeit zum Schlafen und Feiern bleibt dem deutschen Team jedoch nicht: Um 4.00 Uhr morgens fährt der Bus von Kattowitz nach Warschau, dort hebt um 10.10 Uhr die Maschine in Richtung Frankfurt/Main ab. Ankunft dort ist um 12.00 Uhr, danach reisen die Spieler in ihre Heimatorte. Nicht an Bord werden Bundestrainer Vital Heynen und Jochen Schöps sein, die gleich in Polen bleiben, sowie die „Berliner Fraktion“ mit Sebastian Kühner, Christian Fromm und Dirk Westphal, die per Klein-Bus nach Berlin fährt. Ferdinand Tille (Belchatow/POL) und Michael Andrei (Antwerpen/BEL) standen nicht im Kader, Heynen muss eine Stunde vor Spielbeginn zwölf Spieler nominieren, zwei Akteure des 14-er Kaders müssen sich die Partie von der Tribüne aus ansehen.


Foto FIVB: Der deutsche Block sorgte im dritten Satz für entscheidende Vorteile.

Startformation Deutschland: Lukas Kampa, Georg Grozer, Tim Broshog, Marcus Böhme, Denis Kaliberda, Sebastian Schwarz, Markus Steuerwald

Startformation Frankreich: Startformation Frankreich: Benjamin Toniutti, Antonin Rouzier, Earvin Ngapeth, Kevin Tillie, Kevin Le Roux, Nicolas Le Goff, Jenia Grebennikov

Ausführlicher Spielbericht
Grozer spielt, hat aber eine dicken Tapeverband um dem rechten Oberschenkel. Mal schauen, wie weit es ihn behindert. Das deutsche Team erwischt einen Blitzstart und geht nach drei guten Aktionen in Führung (3-0). Und Grozer? Punktet zunächst gut im Angriff (6-4). Nur die Aufschläge kommen noch nicht, Broshog verzieht, es ist schon der dritte Fehler von der Grundlinie (8-6). Aber das deutsche Team ist gut im Spiel, Frankreichs Bester, Außenangreifer Ngapeth, wird mit Aufschlägen gesucht. Kaliberda punktet zweifach durch den französischen Block (11-8). Dann ist aber der zu schnelle Ausgleich da: Grozer trifft einen Ball überhaupt nicht, dann hat die deutsche Annahme Probleme (11-11). Der Doppelblock Schwarz/Broshog packt erfolgreich zu und holt das nächste Break (14-12). Zwei Grozer-Aufschläge sorgen für Druck und zwei Punkte – Frankreich nimmt eine Auszeit (18-15). Die DVV-Männer halten den Vorsprung, die Franzosen führen einen Doppelwechsel auf der Diagonalachse durch (22-19). Aber das deutsche Team lässt sich nicht mehr aufzuhalten, ein verschlagener französischer Aufschlag bedeutet Satzbälle (24-21). Und Grozer schießt per Aufschlag Ngapeth ab.


Foto FIVB: Spielte ein überragendes WM-Turnier: Denis Kaliberda.

Natürlich bleibt das deutsche Team unverändert, aber auch die Franzosen beginnen wieder mit ihrer Startformation. Heynen macht eine gute Video-Challenge, es heißt 2-3 und nicht 1-4. Dann ein Riesenschreck auf deutscher Seite: erst hämmert Grozer den Ball zur 5:4-Führung ins französische Feld, landet dabei aber irgendwie auf einem französischen Fuß. Der 29-Jährige liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden, beißt aber auf die Zähne und macht weiter. Er will die Medaille und bringt per Schmetterball das 8-7. Die Franzosen „schwächeln“ und wirken nicht so aggressiv wie beim ersten Duell. Zwei Angriffsfehler lassen das deutsche Team auf 13-10 davon ziehen. Kaliberda ist bärenstark und vom gegnerischen Block nicht unter Kontrolle zu kriegen (14-11), dann zieht aber Ngapeth beim Aufschlag voll durch und sorgt im Alleingang für den Führungswechsel (15-16). Der Star der Franzosen läuft langsam „heiß“ und wird immer mehr von seinem Zuspieler Toniutti gesucht. Als Kaliberda am Doppelblock scheitert, nimmt Heynen eine Auszeit (17-19). Bitter, dass in dieser Phase die Aufschläge von Kühner und Kampa fehlerhaft sind, aber das deutsche Team kämpft und holt durch Kaliberdas Angriff und Aufschlag die Führung zurück (22-21). Grozer hält die Minimal-Führung (23-22), der Aufschlag von Ngapeth geht ins Netz (24-23). Grozer vergibt den Satzball per Fehlaufschlag, aber auch Le Roux verzieht (25-24). Und Kaliberda der

Unverändert kommen die Teams aus der Zehnminuten-Pause. Nach zwei Ngapeth-Assen, stoppt der deutsche Block zweimal die französischen Angreifer (4-3). Und Kaliberda macht wieder mal aus einer ganz schweren Situation den Punkt, ganz stark (8-7). Das Spiel ist ein echtes Kampfspiel, jeder Punkt ist wichtig. Ein verschlagener Angriff von Ngapeth bringt ein Break (12-10), ein Dreierblock gegen Rouzier noch eines (14-11). Der Wille (und die Kraft?) scheint bei den deutschen Spielern größer zu sein, die Aggressivität auf französischer Seite ist kaum vorhanden. Schwarz blockt sein Team zum 16-13 in die technische Auszeit. Grozer hält den Vorsprung und lächelt (18-15), Kaliberda vergibt die Chance auf vier Zähler Vorsprung. Aber Grozer punktet gnadenlos von links und rechts, Schwarz/Broshog packen wieder im Block zu (21-17). Aber die Franzosen konterten nochmals, Le Roux schlägt zweimal bärenstark auf, Heynen nimmt sofort eine Auszeit (21-20). Grozer macht den ganz wichtigen nächsten Punkt, indem er einfach über den Block schlägt (22-20). Dann die vielleicht entscheidende Szene, Heynens Challenge ist erfolgreich, weil Sidibe mit der Nase hauchdünn die Netzkante berührt hat. Statt 22-22 heißt es 23-21. Grozer holt zwei Matchbälle! Den ersten verzieht er, aber der nächste ist es: Kaliberda verwandelt, der Rest ist nur noch Jubel und Wahnsinn. Deutschland hat die Bronzemedaille gewonnen.


Foto FIVB: Grenzenloser Jubel bei den DVV-Männern nach dem Matchball.

Statistik
GER: Aufschlag: 3 Asse & 17 Fehler / Angriff: 55% / Block: 7
CAN: Aufschlag: 4 Asse & 9 Fehler / Angriff: 46% / Block: 3

Spielfilm
1. Satz: 4-2, 6-4, 9-7, 11-8, 14-12, 18-15, 20-17, 22-19, 23-20 (Schöps für Broshog),
2. Satz: 3-3, 6-4, 10-8, 12-9, 14-11, 15-16, 17-19, 18-19 (Kühner für Böhme), 19-21, 20-21 (Fromm für Schwarz), 22-21, 23-22 (Böhme zurück), 23-23 (Schwarz zurück), 24-23, 25-24,
3. Satz: 3-3, 6-6, 9-9, 12-10, 15-12, 18-15, 21-20, 22-20 (Schöps/Fromm für Broshog/Schwarz), 22-21 (Schwarz zurück), 23-21, 24-22

Stimmen zum Spiel
Vital Heynen: „Seit sechs Monaten haben wir gesagt, wir wollen eine Medaille holen, jetzt haben wir das geschafft. Natürlich glaube ich es selber noch nicht. Mein deutsch reicht nicht, um das auszudrücken. Das Glücksgefühl sitzt so tief, heute Abend stehen wir auf dem Podest. Deutschland auf dem Podest, das ist unglaublich, wow! Wir haben gekämpft und das konnten wir besser als die Franzosen, die besser Volleyball spielen. Heute war alles auf unserer Seite!“

Jochen Schöps: „Wir sind superglücklich, es sind einige Tränen geflossen. Ich bin stolz auf die Reaktion nach dem gestrigen Spiel. Es sah so aus, als ob wir heute einfachen Volleyball gespielt und nicht groß nachgedacht haben.“

Georg Grozer: „Ich kann es nicht glauben. Wenn ich anfange darüber zu reden, schießen mir die Tränen in die Augen. Ich muss es noch realisieren, dass wir mit der Nationalmannschaft eine WM-Medaille gewonnen haben. Dafür haben wir hart gearbeitet und daran geglaubt, das war das Maximum. Es kommt ein neues Tattoo, ich weiß nur noch nicht wohin. Auf jeden Fall bekommt es einen besonderen Platz. Ich hatte Schmerzen, es war fraglich, ob ich spielen kann oder nicht. Die Physios, Ärzte und Trainer haben mich gut versorgt. Wenn man mit Herz und Willen arbeitet, dann klappt das. Es kann nicht sein, dass man hier hin kommt, gut arbeitet und alles gibt und am Ende keine Medaille gewinnt.“

Marcus Böhme: „Ich freue mich, wenn ich die Medaille um den Hals habe, werden die Tränen fließen. Gestern waren es traurige Tränen, heute kommen die glücklichen.“

Max Günthör: „Es ist unglaublich! Das war von Anfang an unser Ziel, jetzt haben wir es erreicht. Für mich ist das unglaublichste: wir spielen schlecht und am nächsten Tag unglaublich gut. Es waren enge Dinger dabei, heute haben wir es gemacht und an uns geglaubt. Wir waren mehr drin im Spiel und wollten es unbedingt, die Franzosen haben dem Halbfinale noch ein wenig hinterher getrauert. Heute wird nicht geschlafen!“

Lukas Kampa: „Der größte Erfolg ist für mich, dass wir von Anfang an dieses Ziel der Medaille hatten und es nun vielen Leuten und uns selber gezeigt haben, dass wir – wenn wir hart arbeiten und an uns glauben – es schaffen können. Ich war überrascht, wie leise die Franzosen auf dem Feld waren. Man hat gemerkt, dass alle ohne Ende müde waren. Ich bin auch wie ein Untoter auf dem Feld herum gelaufen.“

Denis Kaliberda: „Leck mich am A… Ich kann es noch nicht realisieren. Alle haben geglaubt, die schaffen das sowieso nicht. Jetzt stehen wir auf dem Treppchen, das ist ein Moment in unserem Leben, der einzigartig ist. Wahnsinn! Vor dem letzten Ball hatte ich weiche Knie und habe nur gedacht, Augen zu und durch!“

Thomas Krohne: „Der deutsche Volleyball ist so stark wie noch nie. Wir haben in Polen nach fast einem halben Jahrhundert zum ersten Mal wieder eine WM-Medaille gewonnen. Mein Dank gilt Vital Heynen und der ganzen Mannschaft für diese sensationelle Leistung, die in dem Turnier über sich selbst hinausgewachsen sind. Mit dem 3. Platz bei der Männer WM haben wir gezeigt, dass wir im Hallenbereich in einer Form wie noch nie sind und mit den international führenden Volleyballnationen auf Augenhöhe spielen. Daran wollen wir nun mit unserer Frauen-Nationalmannschaft bei der WM in Italien ab dieser Woche anknüpfen. Auch hier bin ich sehr optimistisch, dass das ausgegebene Ziel, eine Medaille, zu schaffen ist. Im kommenden Jahr wollen wir bei den Europameisterschaften mit Medaillen nach Hause fahren, um auf dieser Basis dann mit realistischen Medaillenchancen 2016 nach Rio zu reisen. Das gilt im Übrigen für die DVV-Hallen wie -Beachteams und auch hier für Männer wie Frauen gleichermaßen: Wir sind auch hier mit den Grand Slam-Siegen unserer Frauenteams und einer EM-Medaille sowie einem 3. Platz beim Grand Slam bei den Männern hervorragend aufgestellt.“

Laurent Tillie (Trainer FRA) : „Deutschland hat sich vom gestrigen Spiel besser erholt als meine Mannschaft. Wir hatten keine Energie. Im zweiten Satz hatten wir einige gute Aktionen in der Abwehr, aber wir haben daraus zu wenig Punkte gemacht. Wir haben alles versucht, ich kann nur Deutschland gratulieren, die verdient gewonnen haben.“

Benjamin Toniutti (Kapitän FRA) : „Gratulation an Deutschland, die ganz stark heute gespielt haben. Gegen Grozer, Kaliberda und Schwarz haben wir keine Lösung gefunden. Unsere Abwehr hat nicht funktioniert, und wenn das nicht klappt, spielen wir auch ohne Enthusiasmus.“


Halbfinals und Finalspiele (20./21. September)
20.9.: Halbfinals in Kattowitz: FRA - BRA 2:3 (18 – 25, 25 – 23, 23 – 25, 25 – 22, 12 - 15) & POL - GER 3:1 (26 - 24, 28 – 26, 23 - 25, 25 - 21) & Spiel um Platz 5/6: RUS – IRI 3:0 (25 – 19, 25 – 21, 25 - 18)
21.9.: Finalspiele in Kattowitz: Spiel um Platz 3: FRA - GER 0:3 (21 – 25, 24 – 26, 23 - 25) & Finale: BRA - POL (20.15)


Der deutsche 14-er Kader für die WM
Zuspieler: Lukas Kampa (Radom/POL), Sebastian Kühner (BR Volleys)
Diagonalspieler: Georg Grozer (Belgorod/RUS), Jochen Schöps (Rzeszow/POL)
Außenangreifer: Christian Fromm (Perugia/ITA), Denis Kaliberda (Wegiel/POL), Sebastian Schwarz (Danzig/POL), Dirk Westphal (Radom/POL)
Mittelblocker: Max Günthör (VfB Friedrichshafen), Tim Broshog (Maaseik/BEL), Michael Andrei (Antwerpen/BEL), Marcus Böhme (Fenerbahce Istanbul/TUR)
Libero: Markus Steuerwald (Paris/FRA), Ferdinand Tille (Belchatow/POL)

Quelle: DVV



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