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Allianz MTV Stuttgat - Interview mit Jan Lindenmair

Dem Trainer geht es immer zu langsam

Jan Lindenmair, Coach der Stuttgarter Volleyballerinnen, über seine Philosophie, richtige Typen, Geld und die Champions League.
Acht Neuzugänge, ein stark verjüngtes Team - und trotzdem hohe Ziele. Mit dem Spiel bei VCO Berlin starten die Stuttgarter Bundesliga-Volleyballerinnen am Samstag in die Saison. 'Wir können ins Play-off-Halbfinale kommen', sagt Trainer Jan Lindenmair.
Von Jochen Klingovsky

Herr Lindenmair, Sie trainieren bei Allianz MTV Stuttgart ein Team, das Sie selbst zusammengestellt haben. Sind Sie der Felix Magath des Frauen-Volleyballs?
(lacht) Zumindest habe ich weniger Geld zur Verfügung.

Gibt es noch mehr Unterschiede?
Ich weiß nicht genau, wie es beim VfL Wolfsburg ist. Aber ich kann sagen: Ich habe eine Mannschaft, die sehr gut zu mir passt.

War das nicht immer so?
Wir haben eine Saison hinter uns, die nicht so erfolgreich war wie geplant. Wir hatten tolle Volleyballerinnen, aber auch viele Verletzungen und eine enorm hohe Belastung. Das ist unserer erfahrenen Mannschaft zum Verhängnis geworden, was sich streckenweise auch in der Harmonie des Teams niederschlug. Darum haben wir uns diesmal besonders viel Mühe gegeben, die richtigen Typen zu finden.

Mit Erfolg?
Ja. Wir haben eine junge Mannschaft, die sehr motiviert ist, die Spielerinnen wollen sich zielstrebig weiterentwickeln. Und sie teilen meine Volleyball-Philosophie.

Was ist Ihnen wichtig?

Athletik, Dynamik, Schnelligkeit, Aggressivität im dem Sinne, selber die Initiative zu ergreifen. Ich will nicht auf die Fehler des Gegners warten.

Wo steht Ihre Mannschaft aktuell?
Fakt ist, dass wir enorm viel trainiert haben. Allerdings ist unsere neue Zuspielerin Lora Kitipova erst seit knapp vier Wochen bei uns. Durch sie ist das Niveau zwar noch einmal deutlich gestiegen, wir hatten aber wenig Zeit, uns einzuspielen. In den Tests hatten wir Phasen, in denen es sehr gut lief, aber oft zu wenig Konstanz. Doch wenn wir weiter zielgerichtet und hart arbeiten, dann wird dies ein tolles Team, das sogar internationales Niveau erreichen kann.

Ist das nicht zu hoch gegriffen?
Nein, die Mannschaft hat Potenzial. Und wir haben auch Spielerinnen, die sich das Prädikat Weltklasse verdienen können.

Wer ist das?
Zum Beispiel Lora Kitipova oder Diagonalangreiferin Deborah van Daelen. Die eine ist 21 Jahre, die andere 23 - bei ihnen sind noch ganz große Schritte möglich. Dazu kommen Nadja Schaus, Franziska Bremer und Svenja Engelhardt, die sich im Dunstkreis des deutschen Nationalteams bewegen.

Sollten Kitipova und van Daelen sich zu Stars entwickeln, spielen sie dann noch lange hier?
Wieso nicht?

Weil andere Vereine mehr Geld haben.
Mein Ziel ist es, mit diesem Team längerfristig zusammenzuarbeiten. Deshalb haben etliche Spielerinnen Zwei-Jahres-Verträge mit Optionen.

Trotzdem stößt Ihr Club immer wieder an seine Grenzen. Der Etat beträgt rund 650 000 Euro - das ist knapp halb so viel, wie Meister Schweriner SC zur Verfügung haben dürfte.

Das stimmt, und das ist auch nicht gut so. Allerdings sind wir trotzdem nicht nur halb so gut wie Schwerin. Stellenweise haben wir für die Qualität, die wir bekommen haben, in der Vergangenheit zu viel Geld ausgegeben. Heute kennen wir die Stellschrauben, wie man auch mit einem schmalen Etat erfolgreich sein kann, viel besser als noch vor drei Jahren.

Sie greifen also Schwerin an?

Nein, aber wir sind in der Bundesliga etabliert, also haben wir viel richtig gemacht - auch wenn es dem Trainer natürlich immer etwas zu langsam geht. Fehlt Geld, dann heißt das, dass die Spielerinnen jünger sind, und das kann auch schief gehen. In diesem Jahr haben wir ein Team, das ins Play-off-Halbfinale kommen kann. Aber es wird alles andere als ein Selbstläufer.

Was müsste sich ändern?
Mein Wunsch wäre, dass sich der Verein auf ein Niveau entwickelt, auf dem es realistisch ist, einen Drei-Jahres-Plan in Richtung Champions League aufzustellen. Das wäre der nächste Schritt, nachdem wir in der Liga eine feste Größe sind und den Umzug in die Scharrena bewältigt haben. Nun ist der Club gefordert, diesen Schritt auch zu gehen.

Wird auf Sie gehört?
Ich denke schon. Unser Manager Bernhard Lobmüller ist ein Alphatier, der immer vorangeht. Ohne ihn würden wir nicht da stehen, wo wir stehen. Doch so lange alles eine Ein-Mann-Show war, hatten wir keine Chance, uns großartig zu entwickeln, weil die Anforderungen einfach zu hoch waren - egal wie gut der eine Mann auch ist. Inzwischen haben wir zwei Hauptamtliche auf der Geschäftsstelle, mehr Professionalität im Trainerteam und der Nachwuchsarbeit. Das passt - aber trotzdem gibt es noch viel zu tun.

Zum Beispiel?
Wir müssen bekannter werden.

Bekannter?
Ja. Unsere Sportart bietet so viel: Dynamik, Technik, Emotionen. Und trotzdem kennen von den zwei Millionen Leuten, die in der Region leben, nur rund 100 000 den Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart. Ein Prozent davon kommt zu unseren Spielen. Wenn uns dreimal so viele Leute kennen würden, wäre die Scharrena immer voll.

Wie wollen Sie das schaffen?
Ideen gibt es viele: TV-Zeiten kaufen, noch mehr in Schulen gehen, eine noch bessere Pressearbeit, mehr Werbung, unser Produkt mit anderen Marken verknüpfen. Und meine größte Verantwortung entscheidet sich natürlich auf dem Spielfeld - je mehr Erfolg wir haben, umso mehr Leute kommen. Fakt ist: Wir müssen in Vorleistung gehen.

Und das kostet Geld. Beißt sich die Katze da nicht in den Schwanz?
Wir haben nun mal keine Geldquelle, die es uns erlaubt, alle Ideen umzusetzen. Deshalb müssen wir kreativer sein als andere.

2013 findet die Frauen-EM in Deutschland statt. Kann das Turnier helfen?
Es ist nach den Erfolgen der Männer bei Olympia sicher die nächste große Chance für den Volleyball, sich zu positionieren. Zumal die deutschen Frauen zu den Top Ten in der Welt gehören, es also auch sportlich erfolgreich werden könnte.

Sie sind Co-Trainer des Nationalteams. Wann übernehmen Sie den Chefposten?
(lacht) Erst mal endet im Mai 2013 mein Vertrag in Stuttgart, wir werden uns sicher über eine Verlängerung unterhalten. Und was den Job als Bundestrainer angeht: Das ist keine Position, auf die man hinarbeitet. Aber warum nicht träumen? Das ist sicher erlaubt.den

Artikel aus der STUTTGARTER NACHRICHTEN, Nr. 240
vom Dienstag, den 16. Oktober 2012, Seite Nr. 25



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