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DVV-Männer: Jochen Schöps: „Wir können stolz sein!“

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Foto FIVB: So kennt man Jochen Schöps: Mit langem Arm und guter Technik im Angriff.

Die DVV-Männer haben 2012 eines ihrer erfolgreichsten Jahre in der Historie absolviert: 5. Platz bei den Olympischen Spielen in London, 5. Platz und erstmaliger Einzug in die Finalrunde der World League, souveräne Qualifikation für die EM-Endrunde 2013. Routinier Jochen Schöps (Rzeszow/POL) hat mittlerweile 257 Länderspiele absolviert und äußert sich im „Interview der Woche“ über das Superjahr 2012, seine möglicherweise neue Rolle als Außenangreifer sowie das Fernziel Rio de Janeiro 2016.

Ein sehr langes und erfolgreiches Jahr mit der Nationalmannschaft ist zu Ende gegangen. Wie fällt ihr Fazit aus?
Schöps: „Es war ein sehr langer Sommer mit vielen Höhepunkten. Mit den Ergebnissen können wir durchaus zufrieden sein. Natürlich gibt es immer etwas, an dem wir weiterarbeiten werden, vor allem um konstanter zu spielen. Aber rückblickend war es ein Sommer mit viel Spaß, tollen Spielen und Erfahrungen, an die wir uns alle noch lange gerne erinnern werden.“

In der World League wurde erstmals die Finalrunde erreicht. Wenn man in die bisherige World League-Historie blickt: Ein absolutes Highlight, oder?
Schöps: „Na klar! Sicher war die Teilnahme an dem Finalturnier für alle Spieler ein Highlight des Sommers. Wir haben uns in der Gruppe das Ticket erspielt und waren überglücklich, erstmals daran teilzunehmen. Mit tollen Spielen und guten Leistungen haben wir uns selber belohnt.“

War der erfolgreiche Auftritt in der World League im Nachhinein und mit Blick auf die Olympischen Spiele aber auch ein Fluch?
Schöps: „Sicher war die Ausgangslage nicht optimal. Es ist nicht so einfach, nach solchen Highlights (Olympia-Qualifikation/World League) wieder runter zu kommen von der Euphorie, die natürlich aufkommt, und sich direkt in sehr, sehr kurzer Zeit schon wieder voll auf ein neues Highlight zu fokussieren. Vielleicht ist auch die Aufmerksamkeit nach dem Auftritt in der World League gewachsen und somit die Erwartungen. Trotzdem bleibt leider zu sagen, dass wir bei Olympia sicher nicht immer unser volles Potenzial abrufen bzw. zeigen konnten, ja.“

In London steckte die Mannschaft in der „Hammergruppe“ mit vier absoluten Weltklassegegnern und Tunesien. Das Viertelfinale wurde mit Siegen über Serbien (3:2) und Tunesien (3:0) erreicht. Wie ist das einzuordnen?
Schöps: „Ich denke, dass wir in den zwei Spielen, im Serbien-Spiel vor allem, um unseren Einzug ins Viertelfinale regelrecht gekämpft haben. Wir wussten, dass die Gruppe super schwer ist und wir einen der Großen schlagen müssen und den vermeintlichen Aussenseiter Tunesien natürlich auch. Dass uns das gegen den aktuellen Europameister gelungen ist, war umso schöner. Leider muss man aber auch sagen, dass wir in den anderen Spielen unsere Grenzen aufgezeigt bekommen haben. Wir können phasenweise richtig gut mitspielen, schaffen es aber oft nicht, das alles bis zum Ende des Satzes durchzuziehen und machen gegen Ende der Sätze 1-2 Fehler zu viel bzw. zu wenig Druck auf den Gegner. Dreimal 0:3 zu verlieren, sieht natürlich immer doof aus.“

Dann kam das Viertelfinale gegen Bulgarien. Was war da los?
Schöps: „Das Viertelfinale ist schwer zu beschreiben, und wir sind immer noch dabei es zu analysieren. Auch hier haben wir wieder nur in Phasen "unseren" Volleyball gespielt. Vielleicht ist es die Erwartung gewesen, dass wir Bulgarien in der World League schon ein paar Mal besiegen konnten, vielleicht der Gedanke, dass es um das Halbfinale bei Olympia geht. Auf jeden Fall schien jeder ein bisschen mehr und besser machen zu wollen, jeder wollte das Quäntchen mehr rausholen. Leider ging dann vieles schief und aus den guten Vorsätzen wurde eine Verkrampfung, die alles nur noch mehr hemmte. Mehr Fehler unsererseits und ein gut spielendes Bulgarien taten den Rest. So zumindest war mein Empfinden.“

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Foto FIVB: Ein Bild mit Zukunft? Georg Grozer und Jochen Schöps gemeinsam auf dem Feld.

Hat dieses „Debakel“ den tollen fünften Platz überschattet?
Schöps: „Na klar macht man sich Vorwürfe bzw. sehr viele Gedanken. Das bleibt nach einer Viertelfinalniederlage, und schon gar nicht bei Olympia, nicht aus. Sicher ist aber, wir können stolz sein, uns qualifiziert zu haben (das ist ja oft ein schwerer Schritt) und der überaus gute 5. Platz ist für uns ein wahnsinnig tolles Ergebnis! Worauf wir auch stolz sind!“

Was war Ihr persönliches Highlight in diesem Jahr, wenn man World League, Olympia-Qualifikationen und London 2012 Revue passieren lässt?
Schöps: „Hmm, das ist wirklich schwer zu sagen. Die Qualifikation in Berlin war sicher eines der emotionalsten Highlights meines Lebens, und ich denke, das geht bestimmt auch einigen Zuschauern so:) Doch auch die Olympischen Spiele mit ihrer ganz eigenen Atmosphäre sind für jeden Sportler ein bewegendes Gefühl, und es ist eine Ehre, daran teilnehmen zu dürfen. Da wirkt die Teilnahme im World League-Finalturnier eher klein, die die anderen zwei Events so super emotional waren. In vielen anderen Jahren wäre das sicher eins meiner Highlights gewesen. Eine richtige Entscheidung treffen kann ich also nicht und sage mal: Alles, was mit Olympia zu tun hatte, war mein Highlight!“

Sie selber standen in diesem Sommer häufig in der zweiten Reihe und hinter Georg Grozer. Wie kamen Sie damit klar?
Schöps: „Ganz okay, Georg ist ein phänomenaler Volleyballspieler. Wir kommen beide super miteinander aus und fordern, fördern und helfen uns gegenseitig sehr viel. Natürlich will auch ich spielen, musste aber diesen Sommer von Anfang an ein bisschen zurückstecken. Meine Schulterverletzung aus dem letzten Ligaspiel in Russland hat mich doch viel länger beschäftigt als ich dachte. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren wieder ein bisschen mehr Konkurrenz darstellen kann;) Und im Endeffekt ist egal, wer spielt, die Hauptsache ist das Ergebnis.“

Bei der EM-Qualifikation gab es zwei weitere Neuerungen für Sie: Zum einen waren Sie erstmals Kapitän, zum anderen wurden Sie als Außenangreifer eingeplant und eingesetzt. Wie war das?
Schöps: „Ich denke, die Kapitänsrolle war noch nicht so wichtig. Es ist natürlich eine Ehre, und ich mache es gerne, doch wir kennen uns alle nach dem langen Sommer so gut, dass nichts neu geregelt werden musste. Alles ging quasi seinen normalen Gang, nur dass diesmal unter meiner Nummer der Streifen klebte. Die Annahmerolle dagegen war für mich eine große Veränderung. Es ist eine ganz andere Rolle, und es hat eine Weile gedauert, sich da zu finden. Dazu kommt, dass ich die letzten zig Jahre ja nie Annahme trainiert habe. Es hat Spaß gemacht, mal alles von einem anderen Blickwinkel zu sehen.“

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Foto CEV: Bei der EM-Qualifikation führte Jochen Schöps die DVV-Männer als Kapitän an – Björn Andrae war nicht im Kader.

Und ist das jetzt eine Perspektive für Sie? Ständig als Außenangreifer mit Annahme zu spielen?
Schöps: „Wie das genau weitergeht, ist nicht vorhersehbar. Jetzt, hier im Club in Rzeszow, bin ich als Diagonalspieler geplant und werde auch so trainieren. Im Sommer wird man wieder neu darüber nachdenken. Eins steht auf jeden Fall fest und das ist, dass ich viel viel Annahme trainieren muss wenn ich dort spielen soll :)“

Die EM-Qualifikation haben die DVV-Männer in ganz souveräner Manier gemeistert. War es leicht, sich nach den Olympischen Spielen nochmals zu motivieren?
Schöps: „Ich hatte es mir ein bisschen schwerer vorgestellt. Aber wirklich alle haben sich mit viel Spaß und Engagement im Training reingehauen und in den Spielen hat sich alles ausgezahlt.“

Die Saison in der Nationalmannschaft war sehr lange, eine Verschnaufpause gibt es aber nicht. Alle starten in Kürze in ihren Vereinen. Sie sind jetzt in Rzeszow/POL bei ihrem neuen Klub. Wann starten Sie in die Saison?
Schöps: „Ich bin direkt nach der Qualifikation am 17. September nach Polen geflogen. Die Vorbereitung läuft schon, und ich war der letzte Spieler, der zur Mannschaft gestoßen ist. Die Liga geht dann Anfang Oktober los.“

Fühlen Sie sich denn fit und bereit, gleich loszulegen?
Schöps: „Ja, der Wechsel von der Nationalmannschaftszeit zur Klubzeit ist gut. Andere Aufgaben, anderer Spielrhythmus, neue Mannschaftskollegen - quasi ein neues Abenteuer. Darauf freue ich mich jetzt.“

Was sind die Ziele in Rzeszow?
Schöps: „Noch haben wir keine Ziele gesagt bekommen. Ich denke, dass der polnische Meister der letzten Saison schon versuchen will, das zu wiederholen bzw. zumindest in die letzten Finalspiele zu kommen. In der Champions League werden wir sehen.“

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Foto www.KASOWSKI.pl: Schon gut bei seinem neuen Klub Rzeszow angekommen: Jochen Schöps wurde beim Vorbereitungsturnier mit Wegiel/POL, Istanbul/TUR und Generali Haching zum MVP gewählt.

Sie werden in Kürze 29 Jahre alt. Wie langen können Sie so ein Pensum wie in diesem Jahr noch machen?
Schöps: „Das ist eine gute Frage. Der Körper zwickt schon an einigen viele Stellen. Wenn wir die Termine für den nächsten Sommer haben, werden wir uns sicher zusammen setzen und über den Plan sprechen. Es ist sicher nötig mehr bzw. länger einmal Pause zu machen!“

Ist Rio de Janeiro 2016 noch denkbar bzw. ein Ziel für Sie?
Schöps: „Vier Jahre sind eine lange Zeit und auch ich werde nicht jünger :) Man muss abwarten, und dann werden wir sehen, wie es weitergeht. Aber natürlich ist, wenn ich fit bin und helfen kann, Olympia 2016 in Rio ein Riesen-Ziel, für das es zu kämpfen lohnt!“

Jochen Schöps im Portrait

Quelle: DVV



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