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Ganztagesschule – Herausforderung für die Ballspiele

„Ich würde dahinter eher ein Ausrufungs- denn Fra-gezeichen stellen“
Interview mit DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach im Vorfeld des 3. Ballspiel-Symposium in Karlsruhe am 6./7. Oktober 2006:

Herr Dr. Bach, das Ballspiel-Symposium der zehn Ballspielverbände in Baden-Württemberg findet Anfang Oktober zum 3. Mal statt. Im Jahr 2004 mussten Sie Ihre Teilnahme kurzfristig absagen, nun werden Sie am Freitag um 16 Uhr einen Hauptvortrag halten. Der Präsident des Basketballverbandes Baden-Württemberg, Dieter Schmidt-Volkmar, den Sie seit Jahren bestens kennen, hat Sie um Ihre Teilnahme gebeten. Kommen Sie gerne?

Dr. Bach: Ich komme gern, einerseits, um die von Ihnen erwähnte Zusage einzulösen und anderer-seits, weil ich in meinem neuen Amt als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes so oft wie möglich aktuelle Entwicklungen vor Ort mit-verfolgen möchte.

Ihre Sportart ist ja bekanntermaßen das Fech-ten. Welchen Bezug haben Sie zu den Ball-spielen, also Fußball, Handball, Basketball und Volleyball?

Dr. Bach: Bevor ich zu Fechten kam, bin ich dem Fußball hinterher gejagt und habe auch davon ge-träumt, Fußballer zu werden. Doch in Tauberbi-schofsheim, wo ich aufgewachsen bin, war die entsprechende Schüler- und Jugendbetreuung nicht gegeben. Aber ich habe Tag und Nacht Fuß-ball gespielt. Auf einem Grandplatz, mit den ent-sprechenden Spielspuren an Knien und Hüften.

Das Motto des diesjährigen Symposiums lau-tet: „Ganztagesschule - Herausforderung für die Ballspiele“. In kurzen Sätzen, würden Sie hinter diesen Slogan eher ein Frage- oder ein Ausrufungszeichen setzen?

Dr. Bach: Eher ein Ausrufungszeichen – denn es kommt ganz entscheidend darauf an, was der Sport aus der Tatsache macht, dass die Kinder und Jugendlichen länger als bisher an der Lern-stätte verbleiben. Gerade Mannschaftssportarten können Schulen als Kern und Quelle der Nach-wuchsarbeit nutzen – wer ein Kind hat, das sich für Handball-, Fußball oder Volleyball begeistert, wird dieses gern an eine Schule geben, die sich auf diesem Feld hervortut. Allerdings müssen die Vereine auch Zugang zu den Schulen erhalten und dort entsprechende Strukturen vorfinden und nutzen können.

Welche Zukunft sehen Sie für die Ballspiele in Deutschland, vor allen Dingen unter spitzen-sportlichen Gesichtspunkten?

Dr. Bach: Wir haben in Deutschland hervorragen-de Voraussetzungen für die Fortsetzung der Er-folgsgeschichte unserer Ballsportarten. Wir haben die Infrastruktur, wir haben die Trainer und Übungsleiter, die Vereine und die großen Traditio-nen der einzelnen Sportarten. Und wir haben ge-sellschaftliche Entwicklungen zugunsten von Ball-sportarten. Ich will Ihnen zwei Beispiele nennen: der Sport übernimmt eine entscheidende Rolle bei der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Inte-gration von Migrantinnen und Migranten, weil sei-ne Inhalte und sein Wesen selbst integrierend wir-ken, und es sind gerade die Ballsportarten, die hier ihr Potenzial einbringen. Und da Ballsportar-ten in der Regel Mannschaftssportarten sind, ver-mitteln sie auch soziale Kompetenzen wie Team-fähigkeit, die heute im Berufsleben unverzichtbar sind. Die Ballsportarten werden also weiterhin auf intakte Strukturen zurückgreifen und um den Nachwuchs konkurrieren können, damit sind die Voraussetzungen für Spitzenleistungen auch künftig gegeben.



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