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Volleyball in Sambia:„Das Training ist surreal“

Gebürtig kommt Irene von Schwerin aus Herrenberg, wo sie in einer Volleyball-Familie aufwuchs und natürlich auch selbst Volleyball spielte. Vor zwei Jahren verschlug es die 33-Jährige nach Sambia, wo sie inzwischen auch eine Volleyball-Mannschaft gefunden hat - und ein Training kennenlernte, dass sich doch etwas vom deutschen Training unterscheidet ...

Hinter der großen Fabrikhalle einer Druckerei befindet sich ein mit Mauer und NATO-Draht umsäumtes Feld. Von der Mauer bröselt der Putz, in einer Ecke brennt ein kleines Feuer, um überflüssige Druckerzeugnisse zu vernichten. Das Feld selbst ist ein abgewrackter Betonplatz mit Löchern und Dreck. Die Feldumrandung ist im feinen Staub eher zu erahnen, als zu sehen und auch das zwischen zwei Metallpfosten gespannte Netz hat schon bessere Tage gesehen.

Trainingsplatz
Hinterhofatmosphäre: Volleyball-Training der Government Printers in Sambia

Dies ist nicht etwa ein alter Bolzplatz in einem vergessenen Hinterhof, sondern hier trainieren die „Government Prin-ters“ – eine Frauen-Volleyballmannschaft in Sambia, die in den letzten Jahren mehrmals sambischer Meister wurde und sich nun auch für die „Africans Clubs Champions Championship“ qualifiziert hat. Unter ihnen die Deutsche Irene von Schwerin. Die 33-Jährige hat schon in ihrer Jugend in ihrer Heimatstadt Herrenberg aktiv Volleyball gespielt. Seit zwei Jahren lebt sie inzwischen mit ihrem Mann und Kindern in Sambia. Vor einigen Monaten fand sie end-lich eine Gelegenheit, auch in diesem Teil der Erde Volley-ball zu spielen.

„Es war schon sehr gewöhnungsbedürftig“, erklärt Irene von Schwerin zu ihren ersten Eindrücken vom Volleyball auf afrikanischem Boden. „Das Training ist surreal.“ Sie muss erst durch die große Fabrikhalle mit riesigen, lauten Druckmaschinen laufen, um auf den Hinterhof und damit auf das „Volleyballfeld“ zu gelangen. „In dieser Hinterhof-atmosphäre ist das wichtigste Trainingsziel, dass der Ball nicht in dem stetig brennenden Feuer landet.“

Die Spielerinnen der „Government Printers“ wurden auf-grund ihrer volleyballerischen Fähigkeiten von dem staatli-chen Druckhaus rekrutiert. Somit gehören sie zu den glück-lichen Frauen, die eine relativ sichere Arbeitsstelle haben und sogar während der Arbeitszeit trainieren dürfen. Die Frauen sind zum Teil über 30 Jahre alt und spielen schon viele Jahre zusammen. Das Training unterscheidet sich deutlich von dem Training, das Irene von Schwerin aus Deutschland gewohnt ist. Zum einen findet zum Beispiel keine Bodenabwehr statt, denn bei diesen Bedingungen ist jeder Bodenkontakt äußerst schmerzhaft. Auf dem harten, sandigen Boden kann man sich leicht unangenehme Haut-abschürfungen zuziehen. Zum anderen ist es durchaus nicht unüblich, zu spät zum Training zu kommen und auch zwischendurch einmal zu telefonieren. Trainiert wird immer unter freiem Himmel und im Anschluss an das Training wird jedes Mal gemeinsam gebetet.

Irene von Schwerin ist die einzige Weiße in der Liga, aber das macht ihr nichts aus. Sie freut sich, dass sie durch den Volleyball endlich Kontakt zu den „echten“ Sambiern be-kommen hat. Die Aufnahme in das Team war offen und herzlich. „Durch den Sport habe ich die Chance, mich aus den üblichen europäischen Kreisen heraus zu bewegen und das wirkliche Sambia zu erleben.“
Inzwischen spielt sie – wenn es möglich ist - bei den Ligaspielen mit. Probleme gibt es, wenn ein Spiel in einer Kaserne stattfindet, in die Nicht-Sambier nur mit einer Extragenehmigung des Auswärtigen Amtes Zutritt haben. Da nützen alle Überredungsversuche nichts und die Mannschaft muss ohne ihre „Weißnase“ antreten.

Spielerinnen
Irene von Schwerin (2.v.l.) mit ihrer Tochter sowie zwei Mannschaftskol-leginnen und einem Kind. (Beide Fotos: I.von Schwerin)

Mit dem Manager des Clubs hat sie über eine mögliche Volleyballpatenschaft mit einem deutschen Verein nachge-dacht. Gegenseitige Besuche sind aufgrund der hohen Flugkosten sicherlich noch ein weitentfernter Traum, aber eine Unterstützung, sei es in Form von aussortierten Bäl-len, Netzen, Punktetafeln etc. wäre für die Mannschaft sehr wertvoll. Wer mehr erfahren möchte oder an einer Paten-schaft mit den afrikanischen Volleyballerinnen interessiert ist, kann sich direkt mit Irene von Schwerin in Verbindung setzen. (E-Mail: irenevonschwerin@web.de).

Über eine kleine Unterstützung für ihr sambisches Team konnte sich Irene von Schwerin bei ihrem Deutschlandbe-such im September bereits freuen: Der VLW spendete ein paar Volleybälle und Trikots fürs Training.

Sybille Baecker



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