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Timo Hager - mit beiden Beinen wieder im Leben

TimoTimo Hager ist Spieler der Deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten. Vom 17. bis 19. Oktober bereitete er sich in Cölbe mit seinen Teamkollegen auf die bevorstehende Weltmeisterschaft in der Slowakei vor. Nach Knochenkrebs und fast drei Jahren im Krankenhaus hatte er mit Sport schon fast abgeschlossen.

Seit 1998 im Nationalteam: Timo Hager (Foto: Diana Kliniken AG, Bad Bevensen)

Sommer 1991: Timo Hager ist 15 Jahre jung und hat große Pläne – er will als Austauschschüler für ein Jahr in die USA. Noch schnell die letzten medizinischen Vorsorgeuntersuchungen abschließen und dann kann es schon fast losgehen. Beim Routinecheck und seiner unbedarften Frage, warum denn sein rechter Oberschenkel so dick sei, platzen seine Träume. Die niederschmetternde Diagnose: Knochenkrebs! Der Tumor ist bereits 29 Zentimeter lang und die Ärzte schlagen Alarm; nur der junge Hager bleibt ruhig, der versteht das alles nicht. Eine Woche später kommt er in der Wirklichkeit an – die Chemotherapie geht los und damit ein langer Leidensweg. Hager wird fast ein Jahr lang mit Zytostatika behandelt, der Tumor weggeschnitten und er bekommt einen künstlichen Oberschenkelknochen sowie ein „neues“ Kniegelenk. Doch die nun drei Jahre andauernden Behandlungen mit unzähligen Krankenhausaufenthalten und Schmerzen helfen nicht. Er kann gerade so an Krücken laufen; Hager will sein Bein nur noch loswerden.

Die letzte Chance – eine Umkehrplastik
Das komplette Bein können die Mediziner nicht mehr retten, für Hager gibt es allerdings eine Option – eine sogenannte Umkehrplastik. Dabei wird der Oberschenkel amputiert und an seiner Stelle der gesunde Unterschenkel inklusive Fuß fixiert, und zwar um 180 Grad gedreht. Zukünftig ersetzt das Sprunggelenk das ehemalige Knie. Die Vorteile: Man ist durch das „Kniegelenk“ insgesamt beweglicher und damit auch mobiler. Hager: „Zwei Tage nach der Operation konnte ich bereits an Krücken laufen, nach einem Jahr Lauftraining dann richtig, ohne jedes Hilfsmittel. Für mich war diese Operation ein echter Schritt nach vorne. Es sah zwar scheiße aus, aber es funktionierte!“

Timo
Timo Hager: „Ich hatte mit Sport schon fast abgeschlossen. Und nun kann ich wieder Volleyball spielen." (Foto: Birgit Herzum, München)

Sport ist sein Leben
Frei von Krücken, frei von einer unendlichen Last. Für Hager ist eine uneingeschränkte Mobilität echte Lebensqualität. „Ich hatte mit Sport schon fast abgeschlossen. Und nun kann ich wieder Ski fahren, Klettern gehen, Wakeboarden und Volleyball spielen. Letztendlich hat der Sport mir enorm geholfen, mich wieder als ‚vollwertiger’ Mensch zu fühlen“, erinnert sich Hager.

Dank Freunden im Nationalteam
Über Freunde wird Hager auf die Deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten aufmerksam. Die sehen nämlich Volleyballer mit Handicap auf einem Turnier spielen und denken sich: „Das ist doch was für den Timo!“ Schnell ist die Telefonnummer von Bundestrainer Athanasios Papageorgiou organisiert und drei Wochen später findet sich Hager auf seinem ersten Kaderlehrgang der Standvolleyballer wieder.
Seit 1998 ist er im Nationalteam, 2000 dann das Highlight – Gold bei den Paralympics! „Die Goldmedaille in Sydney war die Erfüllung eines Kindheitstraums. Und irgendwie habe ich damit auch mit meiner ganzen Krankengeschichte abgeschlossen“, Hager rückblickend.

Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in der Slowakei
Die Weltmeisterschaft in Bratislava steht vor der Tür (7. bis 16. November 2008). Als amtierender WorldCup-Sieger sind Hager & Co. einer der Topfavoriten des Turniers. Nun gilt es, sich den WM-Titel zu holen. Die Standvolleyballer reisten deshalb am vergangenen Wochenende (17. bis 19. Oktober) nach Cölbe bei Marburg und trainierten eifrig spielnahe Situationen. „Meine Jungs sind topfit, das haben der Lehrgang und das Trainingsspiel gegen den TV Cölbe gezeigt“, erklärt ein sichtlich zufriedener Papageorgiou. Zwar gewann die hessische Oberligamannschaft 3:1 (25:19, 25:16, 11:25, 25:19), auf der Seite des Nationalteams hat allerdings auch ein wichtiger Angreifer gefehlt. „Und wir arbeiten noch an der Feinabstimmung in der Annahme bzw. Abwehr und dem perfekten Zusammenspiel zwischen Steller und Angreifer“, so der Chefcoach.
Dirk Ludemann, Vorstand der Diana Kliniken AG mit angeschlossenem Rehazentrum (Bad Bevensen), freut sich schon auf die Jungs am kommenden Wochenende: „Diesen Lehrgang richten wir von den Diana Kliniken aus. Neben dem Sportprogramm und dem ‚obligatorischen’ Trainingsspiel gegen eine heimische Mannschaft werden wir dieses Jahr eines großes Informationsevent veranstalten. Thema: Motivation. Und wer könnte da besser für stehen als die Standvolleyballer? Denn die Jungs und meine Erfahrung zeigen: Motivation, Bewegung und Heilung hängen eng zusammen und der Therapieerfolg ist nicht nur eine Sache der Mediziner. Daran glauben wir und daher unterstützen wir die Nationalmannschaft auch als Sponsor.“

Weitere Informationen über die Deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten finden Sie unter www.dbs-volleyball.de.

Nanette Hänsel, Pressesprecherin der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten



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