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Olympia 2008: Moculescu: „Man darf keine Wunderdinge erwarten“

Der Start in die Olympischen Spiele hätte für die deutschen Volleyballer erfolgreicher sein können. Nach zwei Niederlagen gegen Polen und Russland sind sie auf Siege über Ägypten und Serbien angewiesen, wenn sie das anvisierte Viertelfinale erreichen wollen. Im Interview zeigt sich Trainer Stelian Moculescu nicht nur zuversichtlich, das zu schaffen. Er erklärt auch, wie schwierig der Alltag in Peking (China) zu meistern ist.

Wie ist die Lage bei Deutschlands Volleyballern?
Die ist okay. Gegen Polen ist uns alles andere als ein guter Start gelungen. Da hatte sich jeder mehr erhofft, vielleicht aber auch ein bisschen zuviel. Gegen Russland hat die Mannschaft wirklich gut gespielt. Ich denke: Wir sind jetzt im Turnier angekommen.

Zuletzt war von Missstimmung in Ihrem Team zu lesen.
Da ist nichts dran. Die Jungs arbeiten sehr gut und die Atmosphäre ist in Ordnung. Das Einzige, was uns wirklich zu schaffen macht, sind die infrastrukturellen Probleme.

Wie meinen Sie das?
Stewart Bernard als Co-Trainer, Steffen Busse als Scout und ich sind nicht im Olympischen Dorf untergebracht. Es wären nicht genug Plätze da, wurde uns gesagt. Nun sehe ich aber, dass bei den anderen Volleyballteams alle drin sind. Manche haben zwei oder drei Scouts dabei und alle wohnen im Olympischen Dorf. Unser Scout hat nicht einmal eine Akkreditierung bekommen. Das alles führt zu einem riesigen logistischen Aufwand. Ich bin noch nie soviel im Bus gefahren wie hier in Peking.

Was bedeutet das für Ihre tägliche Arbeit?
Wir sind fast nur unterwegs. Drei bis vier Mal am Tag fahre ich per Bus ins Olympische Dorf. Jede fahrt dauert 15 Minuten. Der Bus könnte die Strecke auch in der Hälfte der Zeit schaffen, darf aber nur 30 km/h fahren. Also dauert das. Ins Olympische Dorf darf ich zwar immer rein. Aber wir müssen immer Termine ausmachen, wann wir uns wo und weswegen treffen. Einfach mal so wie sonst Gespräche mit den Spielern zu führen, ist kaum möglich. Dadurch ist der Kontakt einfach viel geringer.

Haben andere deutsche Mannschaften wie zum Beispiel die Basketballer ähnliche Probleme? Wie lösen sie sie?
Das weiß ich nicht. Ich schaue weniger auf andere Sportarten als auf unsere Kontrahenten im Volleyball. Und da sehe ich: Die haben diese Probleme alle nicht. Dann frage ich mich: Wieso klappt das bei anderen Verbänden, aber bei uns nicht?

Trotz dieser Probleme: Haben Sie Zeit gefunden, Olympia zu genießen und auch einmal andere Sportarten anzuschauen?
Ich habe eine imposante Eröffnungsfeier erlebt. Die fand ich sensationell. Und ich war gestern beim Tennis und habe Raphael Nadal und Roger Federer spielen sehen. Das war ein echtes Highlight.

Wollen Sie sich noch etwas anschauen?
Dazu fehlt uns die Zeit. Außerdem ist es mit relativ großem Aufwand verbunden, an Karten zu kommen. Man muss diese mindestens 48 Stunden vorher bestellen. 24 Stunden vorher kriegt man bescheid, ob man diese bekommt oder nicht. Und dann fängt die Organisation an. Wie komme ich dorthin und wieder weg und so weiter. Taxis kriegst du so gut wie keine. Und wenn, dann gibt es große Probleme mit der Verständigung.

Zum Volleyball: Was darf man von Ihrem Team bei den Olympischen Spielen noch erwarten?
Ich denke, dass wir es trotz der beiden Niederlagen noch schaffen, unter die ersten Vier unserer Vorrunde zu kommen. Jede Mannschaft hat einmal ein schlechtes Spiel – wir haben unseres mit dem gegen Polen hoffentlich schon hinter uns. Jetzt wartet Ägypten auf uns. Die Ägypter sind geschickt am Ball, aber wir sind ihnen athletisch überlegen. Wir sollten den Anspruch haben, zu gewinnen.

Gelingt ein Sieg, würde die Partie gegen Serbien zum Schlüsselspiel werden.
Genauso sieht es aus. Gegen Serbien geht es um Sein oder Nicht-Sein. Immer unter der Voraussetzung, dass die anderen Teams mitspielen.

Wie entscheidend ist es bei den Olympischen Spielen und speziell dieser Begegnung, bereits viele Erfahrungen auf hohem internationalem Niveau gesammelt zu haben?

Immens wichtig. Das ist ein Manko von uns, für das wir aber eigentlich gar nichts können. Alle Olympiateilnehmer außer Deutschland haben in diesem Jahr an der Weltliga teilgenommen. Das muss man sich einmal vor Augen halten. Woher sollen die Jungs denn enge Situationen wie gegen Polen oder Russland kennen, wenn sie so selten gegen Gegner auf diesem Level spielen? Unsere Jungs sind gut – mit Weltliga wären sie allerdings deutlich weiter und besser. Ihnen fehlt diese Erfahrung, so dass man hier von ihnen keine Wunderdinge erwarten kann.

Conny Kurth



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