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Deutsche Standvolleyballer – World-Cup-Sieger auf Nachwuchssuche

Henry Gut zwei Monate sind vergangen, seit Martin Vogel (TG Nürtingen) und Henry Treubert (TV Unterboihingen) mit der Behinderten-Nationalmannschaft der Standvolleyballer in Kambodscha den World-Cup-Titel holten. Mit neun Spielern machte sich Bundestrainer Athanasios Papgerogiou auf den Weg zum Titelkampf. Ein kleiner Betreuerstab aus Physiotherapeut, Arzt und Press-Officer begleiteten das Team, wobei diese zum Teil Flug und Unterkunft aus eigener Tasche bezahlten.

Henry Treubert beim Spiel gegen Indien während des World-Cup 2007 in Kambodscha (Foto: Birgit Treubert)

Die Erinnerungen und Eindrücke an die Tage in Kambodscha sind noch frisch, obwohl nicht viel Zeit war, sich neben den Spielen auch Land und Leute anzusehen. Lediglich am Ende des World-Cup blieb noch etwas Zeit einen Ausflug nach Siam Reap zu machen, hier besichtigten sie die größte Tempelanlage der Welt: den Angkor Wat. Ein beeindruckender Tempelkomplex, den ein Kambodscha-Reisender nicht auslassen sollte. Ansonsten war lediglich mal ein kleiner Spaziergang in der Nähe des Hotels möglich und, erinnert sich Martin Vogel, vor dem Halbfinale gab es noch eine kleine Schifffahrt auf dem Mekong.
„In diesen Tagen führten wir das Leben eines Leistungssportlers“, erklärt Martin Vogel. „Vormittags Training, Mittags Physio oder verordnete Mittagsruhe, dann die Spiele.“ Und „Papa“ – wie der Bundestrainer von seinen Schützlingen genannt wird - achtet streng darauf, dass die Spieler sich an seine Anweisungen halten. „In manch anderem Team ging es da manchmal etwas lockerer zu“, sagt Henry Treubert. „Aber für uns war das schon okay so.“

Volleyball ist in Kambodscha Volkssport und es ist weltweit das einzige Land mit einer Behinderten-Liga. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass es überall tolle, moderne Volleyballplätze gibt. Gespielt wird, wo es geht: in Hinterhöfen, auf Sandplätzen, auf dem Acker, überall findet sich irgendwo ein Volleyballnetz. Durch diese Trainingsbedingungen ist natürlich auch das Spiel etwas anders. „Es gibt zum Beispiel keinen Hechtbagger und manchmal abenteuerliche Schlagtechniken“, berichtet Martin Vogel.
Dennoch waren die Bedingungen beim World-Cup sehr gut und es herrschte eine tolle Atmosphäre. Gespielt wurde in einer riesigen Halle mit steil ansteigenden Tribünen auf Holzparkett vor bis zu 1500 Zuschauern. Der Eintritt zu den Spielen war frei und auch das Fernsehen war dabei und übertrug die Spiele in das Kambodschanische Fernsehen. Hin und wieder flatterte eine Fledermaus unter das hohe Hallendach, aber das störte nicht weiter. „Es war ein exotischer Rahmen, der fast ein bisschen Beach-Feeling brachte“, schwärmt Martin Vogel.

Martin Für Vogel war es nun der zweite große internationale Einsatz, nachdem er 2006 zur Nationalmannschaft gestoßen war. „Es ist ein bisschen schade, dass ich erst so spät von der Nationalmannschaft erfahren habe. Ich hätte ja schon viel früher mitspielen können“, sagt er, da er bereits seit seinem 21. Lebensjahr mit seiner Behinderung leben muss. Bei einem Wettkampf mit seiner Heimmannschaft der TG Nürtingen war er in Bad Soden von Olaf Hänsel – ebenfalls Spieler der deutschen Nationalmannschaft der Behinderten – angesprochen worden und nach einem Sichtungslehrgang in die Mannschaft aufgenommen worden. Da war er 33 Jahre alt.

Martin Vogel greift beim World Cup in Kambodscha an (Foto: Birgit Treubert)

Henry Treubert wurde durch seinen Psychologen auf die Nationalmannschaft aufmerksam. Nach einem Motorradunfall vor drei Jahren musste ein Unterschenkel amputiert werden. In den Folgemaßnahmen wurde er von Ärzten und einem Psychologen betreut, der ihn ermunterte, beim Bundestrainer anzufragen. Henry ist seit über 30 Jahren Volleyballer und war vor und ist auch wieder nach seinem Unfall Trainer beim SKV Unterensingen. Papageorgiou lud Henry zu einem Sichtungslehrgang ein – hier trafen sich Henry und Martin zum ersten Mal, obwohl sie nur wenige Kilometer von einander entfernt leben – und machte ihm für eine Aufnahme in die Nationalmannschaft die Auflage, dass er zu Hause in einer aktiven Männer-Mannschaft spielen müsse. Diese Regel gilt übrigens für alle Mitglieder der Nationalmannschaft. Henry stieg beim TV Unterboihingen ein und ein Jahr später holte „Papa“ ihn in die Nationalmannschaft.
„Das ist eigentlich das Problem“, sagt Treubert, „dass viele gar nicht von der Möglichkeit wissen, in einer Nationalmannschaft mitspielen zu können. Und wir können Nachwuchs gebrauchen. Einige Stammspieler spielen bereits seit fast zwanzig Jahren in der Mannschaft.“
„Wer nicht gleich beim Bundestrainer anrufen möchte, kann sich auch gerne erst mit uns in Verbindung setzen“, pflichtet Vogel seinem Teamkollegen bei.

Ein anderes Problem, mit dem sich Team und Trainer herumschlagen, sind die Finanzen. Seit sie aus der Förderung des DOSB herausgefallen sind, sind sie mehr denn je auf Spenden und Sponsoren angewiesen. Hier hat Henry Treubert gemeinsam mit seiner Frau die Aufgabe des Managements und der Öffentlichkeitsarbeit für die Mannschaft übernommen. Während des World-Cups versorgten sie Zeitungen und Verbände mit Berichten und Fotos und informierten auch die Gemeinden, aus denen die Spieler kamen. Man überlegt auch die Gründung eines Fördervereins oder einer Stiftung, um den Spielbetrieb aufrecht halten zu können.

Anerkennung erfuhren die beiden Nationalspieler nach dem Gewinn des World-Cups durch einige offizielle Ehrungen. So richtete die Stadt Nürtingen eigens für die beiden Sportler einen kleinen Empfang aus, das Land Baden-Württemberg lud zum Neujahrsempfang, Henry Treubert wurde in Zizishausen und Wendlingen geehrt und Martin Vogel durfte sich in seiner Heimatstadt in das goldene Buch der Gemeinde eintragen.
Wie geht es nun weiter für die beiden Sportler?
Zunächst trainieren beide wieder in ihren Heimatvereinen, im April steht bei einem Lehrgang das Wiedersehen mit den anderen Teamkollegen und die Vorbereitung auf das nächste große Ziel an: Die Titelverteidigung bei der WM, die im Oktober in der Slovakei ausgetragen wird. Martin Vogel wurde außerdem mit fünf weiteren Nationalspielern von Papageorgiou nach Italien (Riccione) zu einem Beach-Camp in den Osterferien eingeladen. Dies könnte eine Vorbereitung auf eine geplante Behinderten-Beach-meisterschaft sein, die Ende Juni voraussichtlich in Köln stattfinden soll. Wir drücken für alle Vorhaben die Daumen und hoffen, dass es weiterhin für beide so gut weiter läuft.

S. Baecker

Bei Fragen oder Interesse an der Nationalmannschaft der Standvolleyballer können Sie sich gerne mit Martin Vogel und Henry Treubert in Verbindung setzen:
Martin Vogel - E-Mail: roadbird@mail.com
Henry Treubert - E-Mail: heinrich.treubert@web.de
Infos auch unter: www.dbs-volleyball.de



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