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Interview mit Giovanni Guidetti: „Unser Teamgeist kann Berge versetzen“

Wenn Giovanni Guidetti von seiner Teilnahme an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney spricht (als Co-Trainer bei Italien), leuchten seine Augen. Wenn er von seinem Team spricht, funkelt es ebenfalls beim Italiener. Seit 2006 ist der 35-jährige Guidetti für die deutsche Volleyball-Frauen-Nationalmannschaft verantwortlich und so manches hat sich unter seiner Führung verändert. An einem möchte er jedoch festhalten: an den erfolgreichen Olympiaqualifikationen seiner Vorgänger in den Jahren 1996 bis 2004.

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Bundestrainer Giovanni Guidetti hofft auf die Olympia-Qualifikation in Halle (Foto: Lindemann)

Bei den letzten drei Qualifikationen gewann jeweils die deutsche Mannschaft das Turnier und holte sich somit das Olympia-Ticket. Warum klappt es nun zum vierten Mal in Folge?
Giovanni Guidetti: „Weil wir die gleiche Motivation und den gleichen Wunsch haben, uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren wie die Teams vorher. Und weil wir in Deutschland spielen und an uns glauben.“

Und wenn nicht, sind Sie der Schuldige?
Giovanni Guidetti: „Schuldig nicht. Und man kann sicher sein, bevor wir verlieren, werde ich alles Mögliche tun, um zu gewinnen. Vielleicht fühle ich mich verantwortlich für den Misserfolg wie es jeder Trainer empfindet, wenn die Dinge nicht so laufen wie gewünscht. Und vielleicht ein bisschen unglücklich darüber, dass bei einem Turnier wie diesem nur zwei Wochen Vorbereitung zur Verfügung stehen und der Einfluss des Trainers sich weitestgehend darauf reduziert, die richtigen Spielerinnen zu wählen.“

Was sind die Stärken der Mannschaft?
Giovanni Guidetti: „Wir sind wirklich ein Team, und das ist unsere Hauptstärke. Ich glaube, wir sind ähnlich wie ein Orchester: Wir haben einige Solistinnen und einige weltbeste Spielerinnen, die den Solistinnen helfen, alle zusammen eine große Leistung darzubieten.“

Kann dieser Teamspirit so stark sein, dass er die höhere Qualität beispielsweise von Russland bezwingt?
Giovanni Guidetti: „In einem Turnier wie diesem mit nur fünf Spielen geht es in jeder Partie um Tod oder Leben. Ja, ich glaube dieser Teamgeist kann Berge versetzen.“

Sie haben mit Hanka Pachale eine Spielerin nach über sechsjähriger Nationalmannschaftspause zurückgeholt und Tanja Hart reaktiviert. Warum?
Giovanni Guidetti: „Ich wollte dieses wichtige Turnier mit dem bestmöglichen Team spielen. Deshalb habe ich die besten deutschen Spielerinnen in der gesamten Welt angerufen. Mich interessiert nicht die Vergangenheit, mich interessiert, wer jetzt am besten ist.“

Das heißt, Sie messen der Erfahrung sehr viel bei?
Giovanni Guidetti: „Italien hat es bei der Europameisterschaft und dem World Cup gezeigt, sie haben beide Turniere leicht gewonnen. Erfahrung ist im aktuellen Volleyball sehr wichtig. In jedem Spiel können wenige Bälle einen großen Unterschied machen und die Erfahrung lehrt dich, wie solche Bälle zu spielen sind.“

Bis zuletzt stand der Einsatz von Weltklasse-Libero Kerstin Tzscherlich wegen einer Knie-Operation am 27. Dezember auf der Kippe. Was macht Tzscherlich aus, was würde ihr Ausfall bedeuten?
Giovanni Guidetti: „Kerstin ist nicht nur der Libero dieser Mannschaft. Sie ist eine zweite Mannschaftsführerin neben Angelina Grün. Sie ist eine großartige Person, die von allen im Team gemocht wird. Sie kennt den Volleyballsport sehr gut und sie ist eine Art zweiter Trainer auf dem Feld, nur dass sie nie ärgerlich wird wie ich. Ich hoffe, sie kann beim Turnier dabei sein, ich weiß, dass sie alles dafür tut. Sollte es aber nicht klappen, werde ich eine sehr gute Alternative haben.“

Acht starke europäische Teams sind am Start, haben alle Siegchancen?
Giovanni Guidetti: „Nein. Ich denke wir, Russland, die Niederlande, Polen, Serbien und die Türkei spielen um den Sieg.“

Charakterisieren Sie in kurzen Worten die sieben Gegner in HalleWestfalen?
Giovanni Guidetti: „Russland hat die besten Angreiferinnen und den besten Block in der Welt. Und wenn sie eine glückliche Woche erwischen, dann schlagen sie auch am besten auf. Serbien spielt sehr schnell, weil sie eine der weltbesten Zuspielerinnen haben. Zudem ist der Block ebenfalls stark. Die Niederlande ist in meinen Augen der Favorit für das Turnier, weil sie als einzige Mannschaft drei Monate Vorbereitung hatten. Polen ist immer stark. Glinka, Podolec und Skowronska sind drei hervorragende Angreiferinnen, und es ist immer sehr schwer gegen sie zu spielen, weil sie sehr hoch abschlagen. Die Türkei spielt immer eine gute Verteidigung und sehr gute Kombinationen mit den Schnellangreiferinnen. Kroatien hat ein junges Team mit einigen sehr guten Spielerinnen wie Barun beispielsweise. Rumänien kenne ich nicht sehr gut, weil wir gegen sie zuletzt nicht gespielt haben. Mit Turlea und Nucu haben sie zwei sehr gute Spielerinnen in ihren Reihen, die auch in Italien spielen.“

Sie Spielen in Deutschland vor eigenem Publikum. Ist das nur positiv zu bewerten oder erhöht das auch den Druck?
Giovanni Guidetti: „Der Druck ist immer Teil des Spiels. Die Zuschauer können uns enorm helfen, diesen Druck zu senken.“

Sie haben bislang einmal in ihrer Karriere an Olympischen Spielen teilgenommen, erinnern Sie sich noch daran?
Giovanni Guidetti: „Es ist unmöglich, sich nicht daran zu erinnern. Einzulaufen in das Stadion von Sydney mit 150.000 jubelnden Zuschauern, die Party machten. Es war eine beeindruckende Erfahrung, und ich hoffe, dass es keine einmalige war.“

In Heidelberg hatte der DVV-Trainer 16 Spielerinnen zu einem Lehrgang zusammengeholt und am gestrigen Samstag (05. Januar) seinen Kader um zwei Spielerinnen verkleinert. Mit Mareen Apitz (Dresdner SC) und Maren Brinker (TSV Bayer 04 Leverkusen) mussten eine Zuspielerin (Apitz) und eine Außenangreiferin (Brinker) die Heimreise antreten. In wieweit Guidetti vor der Anreise an den Austragungsort HalleWestfalen den Kader weiter reduziert – zwölf Spielerinnen sind nur einsetzbar – wusste der Bundestrainer selber noch nicht: „Es kann sein, dass ich mit 14 Spielerinnen nach Halle gehe, es kann aber auch sein, dass ich vorher noch jemanden streiche.“

Der aktuelle Kader der deutschen Volleyball-Frauen-Nationalmannschaft ist wie folgt bestückt: Kathleen Weiß, Linda Dörendahl, Cathrin Schlüter (alle Schweriner SC), Heike Beier, Corina Ssuschke (beide Dresdner SC), Dominice Steffen (NA.Hamburg), Tanja Hart (1. VC Wiesbaden), Kathy Radzuweit (Imola/ITA), Angelina Grün (Bergamo/ITA), Christiane Fürst (Pesaro/ITA), Hanka Pachale (Perugia/ITA), Cornelia Dumler (Ostiano/ITA), Margareta Kozuch (Sassulo/ITA), Atika Bouagaa (Istanbul/TUR).

PM/GerryWeber



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