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4. Ballspielsymposium in Karlsruhe 07. und 08.11.2008

Thema: "Integration durch Ballspiele"
- Vereine müssen sich interkulturell öffnen -

Flagge Am 07. und 08. November 2008 drehte sich in der Europahalle in Karlsruhe alles rund um den Ballsport. Das Thema „Integration durch Ballspiele“ wurde auf vielfältige Weise in Diskussionen, Vorträgen und Workshops aufgegriffen. Sei es die Integration von ausländischen Mitbürgern oder auch die Integration von Sportlern mit Behinderungen. Mit knapp 400 Teilnehmern war das Symposium wieder sehr gut besucht.

Integration – was heißt das eigentlich? Laut Duden kommt es aus dem Lateinischen und bedeutet „Wiederherstellung eines Ganzen“. Soweit, so gut. Und wer oder was soll integriert werden? Hier ist die Definition nicht ganz so leicht herzuleiten. Es geht um ausländische Mitbürger und Mitbürgerinnen. Es geht um Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Es geht um Frauen aus anderen Kulturen und auch der eigenen Kultur. Es geht um straffällig gewordene Jugendliche, gesellschaftlich Gestrauchelte. Es geht um Drogen- und Alkoholabhängige, die ihrer Sucht entkommen wollen. Es geht um die zahlreichen Randgrup-pen unserer Gesellschaft, die in ein „Ganzes“ eingefügt werden sollen.
Die Problemstellungen – oder positiv ausgedrückt: Aufgaben – hierdurch sind ebenso vielfältig. Es gilt Menschen mit unterschiedlichem kulturellen, religiösen, sozialen, soziologischen und gesundheitlichen Hintergrund und Traditionen zusammen zu bringen, das Verständnis füreinander auf beiden Seiten zu stärken, Respekt herzustellen und zu fördern und Gemeinsamkeiten zu entwickeln.
Uff. Und das alles soll in zwei Tagen ausdiskutiert werden? Bei weitem nicht. Aber es ist ein Anfang, ein Anstoß, eine Anregung zum Nachdenken und Handeln.


Die Vorträge

Rech„Sport ist gelebte Integration“, so Heribert Rech (Innenminister des Landes Baden-Württemberg und Schirmherr der Veranstaltung, Foto rechts) bei seinem Vortrag „Migration und Integration aus landespolitischer Sicht“. Und er hat noch eine Botschaft: „Zur Integration gibt es keine Alternative. Die Alternative wäre eine Parallelgesellschaft und das kann nicht das Ziel [unserer Gesellschaft] sein.“ Er erhält zustimmenden Applaus und stellt einige Projekte vor, die bereits erfolgreich durchgeführt wurden und werden. So zum Beispiel die Aktion „Bleib klar“ des Karlsruher SC, eine Aktion gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch. Im Januar nächsten Jahres startet die gemeinsame Aktion „Brücken für eine gemeinsame Zukunft – Polizei, Landessportverband und junge Muslime gehen neue Wege“. Auch hier sind Workshops und Veranstaltungen zum gegenseitigen Austausch vorgesehen. Die Notwendigkeit von Integrationsarbeit belegt Rech auch mit Zahlen: In Baden-Württemberg leben 2,7 Millionen Menschen (das sind 25 Prozent der baden-württembergischen Bevölkerung) mit Migrationshintergrund.

DFB-Direktor Willi Hink, der stellvertretend für die Integrationsbeauftragte des DFB Gül Keskinler eingesprungen war, stellte das Integrationskonzept des DFB vor und brachte mit einem Zitat von Prof. Dr. Gunter-A. Pilz (Institut für Sportwissenschaft, Hannover) einige wichtige Aspekte auf die Leinwand: „Die Vereine haben sich nicht ausreichend interkulturell geöffnet.“ Was bedeutet das? Unter anderem muss die Ausbildung des Personals (also der Trainer, Übungsleiter, Helfer) angepasst werden. Interkulturelle Kompetenz gehört mit auf den Lehrplan. Nicht die Anpassung ist gefragt, sondern das gegenseitige aufeinander zugehen, Akzeptanz und Toleranz.

Im dritten Hauptvortrag des Symposiums referierte Helmut Spahn (Leiter der Abt. Sicherheit und Prävention des DFB) über Sicherheit im Sport und vermittelte einen Überblick über die zahlreichen Tätigkeitsfelder auf nationaler und internationaler Ebene und brachte auch zutage, dass sich das Land Baden-Württemberg als einziges Bundesland nicht an den Fanprojekten beteiligte.


Die Talkrunden

Höfle
Frank Höfle (Paralympics-Teilnehmer, im Bild links) im Gespräch mit Moderator Hans-Reinhard Scheu

Viel diskutiert wurde nicht nur vor, zwischen und nach den Veranstaltungen, sondern auch in den zwei Talkrunden, die leider den kleinen Wehrmutstropfen hatten, dass sie zu einseitig besetzt waren. Funktionäre und Aktive aus den Verbänden wurden zu Themen wie Ausländerproblematik in den Vereinen, Frauenquoten, Integrationsprojekten und Notwendigkeiten befragt. Stellvertretend für die Seite der „zu integrierenden“ stand lediglich der sehbehinderte Frank Höfle (erfolgreicher nordischer Skisportler). Er brachte seine Sicht der derzeitigen Situation auf den Punkt: „Es wird viel gesprochen, aber keiner tut etwas.“ Das gegenseitige aufeinander Zugehen findet zu wenig statt.
Diplompädagoge und DBB-Ehrenpräsident Roland Geggus äußerte seine Vision von erfolgreicher Integration im Sport: „Keine Paralympics oder Special Olympics mehr, sondern eine gemeinsame Veranstaltung.“


Die Workshops

Aus insgesamt 15 Workshops in drei Blöcken konnten die Teilnehmer wählen. Dabei ging es um Integration von jun-gen Migranten, Integrationsarbeit im Sportverein, Fan-Projekte als präventive Maßnahme und, und, und.

Der Praxis-Workshop „Basketball – ein Sport für Mädchen / Beachvolleyball in der Schule“ war mit 99 Teilnehmern sehr gut besucht. Zunächst demonstrierte Reiner Braun (BBW) mit einer Gruppe Mädchen einfache Spielbeispiele, um die Mädchen zu einem gemeinsamen Zusammenspiel im Basketball zu bringen. Aufgrund der Jahreszeit musste die Einführung „Beachvolleyball in der Schule“ in die Halle verlegt werden. U23-Bundestrainer Jörg Ahmann zeigte gemeinsam mit den beiden Landestrainern Michael Mallick und Sven Lichtenauer sowie Kadertrainerin Bettina Stumpf, wie einfache Beachvolleyball Grundtechniken im Schulsport unterrichtet werden können und in kleinen Zweier und Dreier-Teams erste Spieltechniken ausprobiert werden können. Unterstützt wurden sie dabei von den Mädels und Jungs des nordbadischen Nachwuchskaders.

Trainer-Team
Gute Laune beim Ballspielsymposium 2008 – das Volleyballtrainer-Team: v.l.n.r. Sven Lichtenauer, Jörg Ahmann, Bettina Stumpf, Michael Mallick

Der Praxis-Workshop „Ballspiele im Behindertensport“ forderte die Teilnehmer direkt zum Mitmachen auf, sei es im Rollstuhl-Basketball, Torball oder Unified Volleyball. Hier durften die Teilnehmer hautnah miterleben, wie schwer es zum Beispiel ist beim Rollstuhl-Basketball sich gegenseitig den Ball zuzuspielen und Körbe zu werfen, oder wie es ist, beim Torball mit verbundenen Augen, einen Ball aus dem eigenen Tor herauszuhalten. Gelebte Integration zeigten die Unified Volleyballer der TSG Wilhelmsdorf. Hier spielen Behinderte und Nicht-Behinderte Sportler in einer Mannschaft zusammen.


Unified Volleyball – gelebte Integration

Beim Unified Volleyball spielen jeweils drei Sportler mit geistiger Behinderung (=Athleten) zusammen mit drei Sportlern ohne Behinderung (=Partner). Bei jedem Spielzug müssen die behinderten Mitspieler einbezogen werden, d.h. bei drei Ballberührungen sollte auch immer mindestens eine Ballberührung durch einen Athleten erfolgen. Gespielt wird nach den normalen Volleyball-Regeln mit Zusatzregeln von Special Olympics Internati-onal.
Steffi & Yasmin Stephanie Guth (im Bild links mit Athletin Yasmin) spielt seit 2002 als „Partnerin“ bei den Unified Volleyballern der TSG Wilhelmsdorf, parallel dazu spielt sie auch in einer aktiven Mannschaft. „Das sind aber zwei völlig verschiedene Sportarten“, sagt sie. Beim Unified Volleyball muss sie für die anderen Mitspieler mitdenken, es ist ein engeres Zusammenspiel und mehr Kommunikation notwendig. „Man muss sich selbst ein Stück zurücknehmen und den Athleten ein Spiel ermöglichen“, erklärt sie.
Seit 7 Jahren spielt Yasmin als „Athletin“ in Wilhelmsdorf. Zuvor hat sie schon ein bisschen privat Volleyball gespielt, wenn sich die Möglichkeit ergab, erzählt sie. Ihr Sportlehrer Michael Staebler, der auch Trainer der Unified Volleyballer ist, hat sie damals gefragt, ob sie nicht in seiner Mannschaft spielen wollte. Das wollte sie und seither ist sie dabei. Der Sport und auch die vielen gemeinsamen Unternehmungen außerhalb des Trainings machen ihr viel Freude und haben im Laufe der Jahre auch ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbstständigkeit gestärkt.


Es gab viele Anregungen und Denkanstöße, die die Teilnehmer nach diesen zwei Tagen mit nach Hause nehmen konnten. Die Aufgaben und Herausforderungen, denen sich die Verbände und Vereine in einer modernen Gesellschaft stellen müssen sind zahlreich. Auch wenn das längst nicht jeder so sieht, manch einer meint gar, es gäbe kein Integrationsproblem im Volleyballsport. Na gut, bleiben wir bei den Termini Aufgaben und Herausforderungen. Integration ist kein Automatismus. Wo verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, entstehen leicht Missverständnisse. Wo Menschen mit Behinderungen und ohne Behinderung auf einem Feld stehen ist Rücksichtnahme notwendig. Und da macht auch der Volleyballsport keine Ausnahme. Sicher, es gibt vorbildhafte Projekte, die gut funktionieren, beispielhaft seien die Unified Volleyballer aus Wilhelmsdorf genannt. Auch das Mitspielen von JVA-Mannschaften im aktiven Spielbetrieb ist ein Schritt in Re-Sozialisation und gesellschaftlicher Integration. Dennoch dürfen wir uns nicht zurücklehnen und so tun, als wäre alles bestens. Wie sieht es in Ihrem Verein aus? Findet interkultureller Austausch statt? Wir würden uns freuen, wenn Sie uns von Ihren Erfahrungen berichten.

Das Resümee:
Integrationsarbeit ist Beziehungsarbeit und eine erfolgreiche Integration ist noch lange kein Automatismus. Jeder Einzelne ist aufgefordert, sein Bild, das er von sich und dem Anderen hat, zu hinterfragen und offen auf den Anderen zuzugehen.

Fotos & Bericht: Sybille Baecker


Bildergalerie:

Band
Zum Auftakt gab es ein paar rockige Songs von der Lehrerband des Helmholtz-Gymnasiums Karlsruhe

zuschauer
Interessierte Zuhörer bei Vorträgen und Talkrunden beim 4. Ballspiel-Symposium in Karlsruhe

Beachvolleyball
So holt man den Sommer in die Halle - Beachvolleyball-Training mit U23-Bundestrainer Jörg Ahmann

Workshop 10
Mit dem nordbadischem Nachwuchs demonstrierten die Trainerriege um Jörg Ahmann die Einführung von Beachvolleyball in der Schule

Torball
Torball zum Mitmachen - hier wurden aus Sehenden mittels Augenklappe Nicht-Sehende

Unified
Zwischen Talkrunden und Workshops blieb Zeit für Gespräche zwischen Teilnehmern und Referenten (rechts im Bild Unified-Volleyball-Trainer Michael Staebler)

Ahmann
Und auch Autogrammwünsche wurden gerne erfüllt.

Rollstuhlbasketball
Gar nicht so einfach - erste "Schritte" beim Rollstuhl-Basketball

Teamentwicklung
Praxisvortrag zum Thema Persönlichkeits- und Teamentwicklung




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