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1. Ballspielsymposium in Karlsruhe: Gedankenaustausch in wunderbarer Art und Weise

1. Ballspielsymposium in Karlsruhe

Gedankenaustausch in wunderbarer Art und Weise

Zufrieden verließen über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Schlusswort von WFV-Vizepräsident Karl Schley das erste Ballspielsymposium in der Karlsruher Kongresshalle. Zufrieden, weil “wir die Gelegenheit zum Gedankenaustausch in wunderbarer Art und Weise hatten”, so die Bilanz von Harald W. Schoch, Präsident des Nordbadischen Volleyballverbandes. Zuvor hatten die Vertreter aus zehn baden-württembergischen Sportverbänden und deren Vereinen, die die vier Ballspiele Baskettball, Fußball, Handball und Volleyball repräsentierten, zwei Tage lang die aktuelle Situation der großen Mannschafts-spiele analysiert und Perspektiven diskutiert.

Für den Mut, diesen Schritt zu dem ersten Symposium dieser Art zu gehen, “mit dem wir Synergien nutzen, aber auch neue Impulse geben wollen” (BFV-Präsident Gerhard Seiderer), zollte dessen Schirmherr, Baden-Württembergs Innenminister Dr. Thomas Schäuble, bei der Eröffnung den zehn Verbänden großes Lob: “Ich hoffe, dass dieser Kongress nicht eine einmalige Veranstaltung bleibt, sondern zu weiteren Kooperationen anregt!” Er ermunterte die Teilnehmer, ihre bislang so erfolgreiche Arbeit engagiert fortzusetzen, aber auch offen zu sein für Neuerungen. Gerade die Ballspiele, so der Innenminister, seien für die Entwicklung junger Menschen von besonderer Bedeutung. Auch bei der Integration ausländischer Mitbürger “sind wir darauf angewiesen, dass uns die Vereine mit ihren großartigen Leistungen helfen.”

Diesen Ansatz griff auch Anton Häffner auf, Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg, der die Ballspiele als Chance sah, Verhaltensweisen zu vermitteln, die für das Zusammenleben in der Gesellschaft unerlässlich sind. Erfreut wies er darauf hin, dass mit diesem Symposium Baden-Württemberg einmal mehr “eine Vorreiterrolle übernahm”


Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich freute sich, dass die Initiatoren für die Veranstaltung die “Stadt des Rechts und des Sports” (Gerhard Seiderer) ausgewählt hatten. “Als wir gefragt wurden”, so Fenrich, “ob das Symposium in Karlsruhe statt-finden könne, haben wir sehr gerne ja gesagt”. Auch, weil die Stadt “einiges tut, um Ballspiele zu fördern”, insbesondere aber, um neue Anregungen zu erhalten. Die Kommune beließ es im übrigen, wie Gerhard Seiderer lobend bemerkte, nicht nur bei der formalen Zustimmung, sie brachte sich auch finanziell wie personell tatkräftig in die Vorbereitung und Durchführung ein.

Mehrfach tosenden Beifall erhielt Prof. Dr. Udo Steiner, Richter am Bundesverfassungsgericht und begeisterter Fußballer, der in einem humorvollen Festvortrag den “Sport, das Recht und die Juristen” unter die Lupe nahm. Er zeigte eine verstärkte Durch-dringung des Sports durch das Recht auf, “auch durch eine zunehmende Prozess- und Streitmentalität” der Deutschen. Aller-dings trugen dazu, so Steiner, auch der Sport und nicht zuletzt die Ballspiele bei, die “national wie international eine Kommer-zialisierung erfuhren”.

Geld aber schaffe Abhängigkeit: “Wer Geld gibt, stellt Forderungen – auch Sponsoren.” Als Beleg führte Steiner die Übertra-gung von Sportereignissen an, bei denen die Veranstalter “der Hirarchie der Fernsehzeiten unterliegen”. Auch den Tiebreak im Tennis sowie den Sudden Death im Fußball sowie im Eishockey sieht er als Folge dieser Entwicklung.

Aber auch wenn die Verrechtlichung des Sports voranschreitet, vor allem im Bereich des Arbeits-, inzwischen auch des Insol-venzrechts, so sieht Steiner die Autonomie des Sports nicht gefährdet: “Die Juristen sind eine Macht im Sport, aber nicht über-mächtig.” Allerdings braucht der Sport das Recht, so der Verfassungrichter, “um sich in der Gesellschaft zu behaupten.”

Nach diesem Auftakt begann der Arbeitsteil des Symposiums. Dafür hatten die Veranstalter namhafte Wissenschaftler aus der Sportpädagogik und der Sportspielforschung verpflichtet, die die Diskussion in insgesamt vier Foren vorbereiteten und begleite-ten. Die Teilnehmer beschäftigten sich dabei mit

den Themenbereichen

 Breiten- und Freizeitsport
 Leistungssport – Talente im Spielsport
 Spitzensport
 Sport und Kultur

Die Ergebnisse der Foren wurden am Ende des Symposiums in Thesen zusammengefasst (siehe Kästen). Eine ausführliche Dokumentation soll in Form einer Broschüre folgen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer engagierten sich aber nicht nur im Arbeitsteil des Kongresses, sondern freuten sich auch über ein attraktives Rahmenprogramm – nicht zuletzt auch möglich gemacht durch die Unterstützung der Veranstaltung durch Sponsoren.

Als die beteiligten Verbände nach Abschluss des Symposiums auf einer Pressekonferenz eine erste Bilanz zogen, kam WFV-Präsident Dr. h.c. Alfred Sengle, der “Spiritus Rector, der die Idee entwickelte und maßgeblich zu deren Verwirklichung beitrug” (Gerhard Seiderer) als Sprecher der Fußballverbände zu einem sehr positiven Fazit:

• “Es ist gelungen”, so Sengle, “gesamt-baden-württembergisch etwas auf die Beine zu stellen und dies mit interdisziplinä-rem Charakter.

• Viele nützliche Gespräche boten die Möglichkeit, über den Tellerrand der eigenen Sportart hinauszublicken.

• Das Symposium erhielt seinen Wert nicht nur durch einen exzellenten Festvortrag, sondern war auch gekennzeichnet durch kompetente sowie renommierte Referenten und durch eine Programmgestaltung, die genügend Zeit für Diskussionen beließ.

• Die Organisatoren wollen sich nochmals treffen, um zu überlegen, wie weiter verfahren werden soll.”

Dabei, so Harald W. Schoch, “ist für mich nicht das Ob die Frage”. Die Mitarbeiter in den Ballspielverbänden und –vereinen dürfen sich wohl auf eine Neuauflage des Symposiums freuen.



Forum I
Breiten- und Freizeitsport


- Die Förderung der Kinder sollte sportartübergreifend geschehen. Im Vordergrund muss die Förderung der allgemeinen, koordinativen Fähigkeiten stehen. Dabei sollten fachverbandsübergreifende Strukturen entwickelt werden.

- Die Fachverbände müssen ihr Selbstverständnis erweitern. Sie dürfen sich nicht nur als Leistungssportverbände sehen, sondern sie müssen der Vielfalt der Sinngebungen im Sport Rechnung tragen.

- Diese Sinngebungen haben sich geändert. Kinder und Jugendliche suchen vor allem
- Kooperation und Kommunikation
(Geselligkeitsmotiv)
- Erlebnisorientierung („Events“)
- allgemeine und spielspezifische
Fitness (Gesundheitsmotiv)
- ästhetische Aspekte des Spiels.

- Um die Realisierung dieser komplexen Anforderungen zu gewährleisten, benötigen wir vor allem im Kinder- und Jugendbe-reich eine bessere Übungsleiter-Aus- und Fortbildung. Über Honorierungsmodelle für Übungsleiter bei den Kindern muss besonders nachgedacht werden.

- Besondere Zukunftsaufgaben in den Verbänden sind
- noch stärkere Öffnung der Jugendmitarbeiter für sozial schwächere Kinder und Jugendliche
- stärkere Berücksichtigung der Mädchenförderung im Spielbereich

- Die Mitgliedschaft in den “Sportspielvereinen” endet nicht im frühen Erwachsenenalter. Es muss über Bindungsmodelle für Erwachsene und Senioren nachgedacht werden.


Forum II
Leistungssport


- Es gibt in den Spielsportarten eine Vielfalt an Förderkonzepten. Die Konzepte sind nicht aufeinander abgestimmt.

- Die Bewertungsmaßstäbe für die Spielsportarten seitens des DSB werden von den Bedingungen der Individualsportarten dominiert.


- Spitzensportförderung ist abhängig von Standortfaktoren, z.B. potente Bundesligavereine, qualifizierte Spitzentrainer.

- Intelligente Fördersysteme erfordern optimierte Maßnahmen in den Bereichen:
- Steuerung
- Vernetzung
- Selektion
- Betreuung


Forum III
Spitzensport


- Wir haben ein großes Potenzial an hervorragenden Talenten.

- Diese Talente werden nicht in die Mannschaften der ersten Liga integriert. Sie erhalten keine Einsatzzeiten.

- Zunehmend tauchen auch deutsche Nationalspieler nicht mehr in den Stammformationen der Klubmannschaft auf.

- Der DFB muss in Kooperation mit seinen Vereinen / der Liga Einsatzzeiten für Nachwuchsspieler und Nationalmann-schaftsspieler sicherstellen.

- Das “Bosmann-Urteil” hat das Spielniveau in den Ligen deutlich erhöht.

- Die Spieler können die Doppelbelastung von Schule und Spitzensport nicht bewältigen.

- Grundlagen professioneller hochqualifizierter Jugendarbeit.

- Strukturelle Koppelung von Schule und Spitzensport.

- Vorschläge:
- Junioren Bundesliga
- Zweifachspielrecht
- Kontextsteuerung durch Kommu-
nikation

- Jeder Markt befreit sich von den Fesseln der Beschränkung

- Jede Regulierung, die den Schwächeren gegenüber dem Stärkeren bevorteilt, ist im juristischen Sinne eine Diskriminie-rung.


Forum IV
Sport und Kultur


- Die Verbände und Vereine sollen ihre bisher primären Schwerpunkte “Konkurrenz, Überbietung und Leistungsprinzip” ver-lagern und ergänzen in Richtung “Kooperation, Solidarität und gemeinsame Strategien”.

- Die Kommunikation über Ballspielarten und deren Funktion muss stärker in das kulturelle Verständnis einer Gesellschaft eingebunden werden.

- Ballsport ist integrativ

- Die Verbände sollen ihren Vereinen Hilfen und Werkzeuge zur Verfügung stellen, um diese Intergration zu ermöglichen.

- Das bedeutet auch, aus den heute mehr oder weniger starren Regelwerken auszubrechen und somit auch die bisher wenig berücksichtigten Gesellschaftssegmente zu berücksichtigen (Mädchen, Frauen, Migranten, Resozialisierungsgruppen).

- Schaffung eines Sportförderungs-gesetzes im Land Baden-Württemberg!

- Um einen fairen Interessenaus-gleich zu ermöglichen, ist die Aufnahme des Staatsziels “Sportförderung” in die Landesverfassung richtig. Der Aufnahme in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bedarf es nicht, zumal der Sport hierzulande ein bedeutendes gesellschafliches Aktionsfeld mit erheblichem allgemeinem Informationsinteresse darstellt. Dadurch ließe sich verhindern, den Sport in den Etats zurückzufahren oder gar zu streichen, weil der Sport den selben Interessengehalt hätte wie z.B. der Straßenbau oder die Sicherung der sozialen Systeme.

- Da sich der Sport zu den präzisen europäischen Kulturfaktoren zählen darf, sollte er alsbald in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union benannt werden.




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