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Frauen im Ballsport – ausgegrenzt – belächelt – anerkannt?

Die Geschichte der Frauen im Ballsport ist auch eine Geschichte der Emanzipation. Während es heutzutage ganz normal erscheint, die Tochter zum Volleyball, Handball oder Fußball zu schicken, war dies bis Mitte des 20. Jahrhunderts keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Wo stehen die Frauen heute in der Ballsportszene? Ist die Zukunft der Ballspiele weiblich? Beim 5. Ballspielsymposium am 12./13.11.2010 in Karlsruhe ging man diesen Fragen auf den Grund.

Rund 450 Teilnehmer nahmen auch dieses Mal wieder an dem zweitägigen Symposium teil. In Vorträgen, Talkrunden und Workshops drehte sich alles um die Frauen in der Ballsportszene. Dabei gab es einige interessante Informationen und Erkenntnisse.

Frauen im Spitzensport eine Zumutung?

Seit 1918 dürfen Frauen in Deutschland wählen. Fußball spielen durften sie aber noch lange nicht. Weitere 52 Jahre (!) mussten vergehen, bis der Deutsche Fußballbund 1970 seine ablehnende Haltung gegenüber dem Frauenfußball aufgab. Der Deutsche Sportbund war da keinen Deut besser. Lange Zeit galt auch hier die Meinung, dass Frauen nicht ausdauernd trainierbar sind und – kein Scherz – noch in den 60er Jahren wurde bei der Übertragung der Olympischen Spiele überlegt, ob die Bilder der verschwitzten, vor Anstrengung verzerrten weiblichen Gesichter nach einem 800-Meter-Lauf, dem Zuschauer überhaupt zumutbar wären.
Dies waren nur zwei Beispiele aus der Historie der Frauen im (Ball-)Sport, vorgetragen von Prof. Dr. Werner Schmidt (Universität Duisburg-Essen) beim Eröffnungsvortrag zum Ballspielsymposium. Zum Glück hat sich die Einstellung zum Frauensport, insbesondere zum Frauen-Ballsport in den letzten 50 Jahren vehement geändert. Waren die deutschen Fußballdamen lange nur geduldet und belächelt, wurden sie spätestens seit ihrem WM-Titel 2003 so langsam von den Kollegen und den Medien ernst (wenn auch nicht unbedingt wahr-)genommen.
Im Volleyball hatten die Frauen es da etwas leichter. In der – im Vergleich zum Fußball – recht jungen Sportart (offizielle Gründung DVV 1955) sind die Damen seit jeher gut vertreten. Nach dem Start der 1. Herren-Bundesliga 1974 zogen die Frauen nur zwei Jahre später nach.

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Die Volleyballverbände präsentierten sich gemeinsam mit einem Stand beim 5. Ballspielsymposium in Karlsruhe

Frauen-Ballsport in den Medien

Die deutschen Fußballfrauen haben es mittlerweile immerhin geschafft, eine halbe Seite im Fußball-Magazin „Kicker“ zu ergattern und das eine oder andere Mal auch in der Sportschau Erwähnung zu finden. In den anderen Ballsportarten hingegen sieht es noch finsterer aus. Jüngstes Beispiel: Während von der Volleyball-WM der Männer 2010 wenigstens noch via Internet-TV ein paar Bewegtbilder in die Welt geschickt wurden, verlief die Volleyball-WM der DVV-Frauen fast ohne öffentliche Beteiligung in Deutschland. Die Zeitungen in den Volleyball-Hochburgen lieferten Berichte. TV und Internet? Fehlanzeige. Nicht ein einziges bewegtes Bild gab es für die Volleyballfans in Deutschland zu sehen. Einzige aktuelle Informationsquelle war ein Live-Ticker. Und das, obwohl gerade im Volleyballsport der Frauenanteil bei über 50 Prozent liegt!
Beispiele, die die mediale Wahrnehmung der Frauen im Ballsport leider nur zu gut widerspiegeln. Es gibt statistische Untersuchungen, dass die Berichterstattung über Frauen-(Ball-)sport nicht mehr als 10 bis 12 Prozent der Gesamt-Sportberichterstattung einnimmt – trotz vergleichbarer und sogar besserer sportlicher Erfolge im Vergleich zu den männlichen Kollegen.

Noch mehr „Problemzonen“

In einer Talkrunde zum Thema „Frauen im Spitzensport“ berichteten Kathrin Blacha (Co-Trainerin der deutschen Handball-Nationalmannschaft), Christine Ishaque (ehemalige Basketball-Nationalspielerin), Bettina Stumpf (ehemalige Juniorennational- und Bundesligaspielerin) und Heike Ulrich (Teammanagerin der Deutschen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft) von den Schwierigkeiten, Beruf, Familie und Leistungssport unter einen Hut zu kriegen, dem Kampf um Anerkennung und die oft unsichere finanzielle Situation.

Talkrunde
Weite Trainingswege und früh von zu Hause ausziehen heißt es für viele junge Mädchen, die Leistungssport betreiben wollen, berichtete Bettina Stumpf ihre Erfahrungen als Juniorennationalspielerin.

Der CDU-Bundestagsabgeordneter Ingo Wellenreuther wies in seinem Vortrag „Die Zukunft der Ballspiele aus sportpolitischer Sicht“ darauf hin, dass es an der Spitze in Vereinen und Verbänden häufig an Frauen mangelt. Viele Vorstände und Präsidien sind auch heute noch rein Männer-dominiert. Auch im Trainerbereich differiert die Zahl der Trainerinnen deutlich von denen der männlichen Kollegen, so sind z.B. nur knapp 20 von 500 Absolventen der Deutschen Trainer-Akademie Frauen. Hier müssen die Vereine und Verbände frühzeitig ansetzen, um Leistungsträgerinnen im Sport auch in diesen Bereichen zu fördern und so auch nach Ende einer aktiven Karriere dem Sport zu erhalten.

Praxis-Workshop: Mit Mädchen trainieren

Im Training geht es nicht darum, aus Mädchen Jungs zu machen, sondern motivierte, erfolgreiche Sportlerinnen auszubilden. Dementsprechend müssen im Training auch teils andere Schwerpunkte gesetzt werden. Worauf es zu achten gilt, zeigten in einem Praxisworkshop VLW-Lehrreferentin Barbara Vollmer und die ehemalige Juniorinnen-Nationalspielerin und heutige VLW-Bezirkskadertrainerin Bettina Stumpf. „Mädchen neigen eher dazu Standvolleyball und weniger risikofreudig zu spielen“, referierte Barbara Vollmer und verdeutlichte den Workshop-Teilnehmern diese These durch einige Videoeinspielungen. „Darum müssen im Training Situationen erzeugt werden, die viel Bewegung und risikoreiches Spiel erzwingen.“ Wie solche Übungen in der Praxis aussehen können, zeigte Bettina Stumpf im Anschluss auf dem Spielfeld. Mit acht Spielerinnen der Nordbadischen und Württembergischen Kader wurden verschiedene Spielvorgaben durchgespielt, bei denen die Workshopteilnehmer zum einen zusehen, zum anderen auch selbst mitmachen konnten.

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Bezirkskadertrainerin Bettina Stumpf zeigte im Praxis-Workshop-Volleyball mit dem Kadernachwuchs aus Nordbaden und Württemberg, verschiedene Beispiele für das Training mit Mädchen

Randnotizen

Erfreulich: Fast 50% der Teilnehmer am Ballspielsymposium waren weiblich!

Fan-Frau: Der weibliche Fan ist weniger gewaltbereit und sorgt so für mehr Sicherheit. Das mag stimmen, ist aber nicht der Grund, warum eine Frau als Fan zu einem Fußballspiel geht. Sie genießt das Gemeinschaftserlebnis und das sportliche Event – wie ihre männlichen Fan-Kollegen eben auch, erklärte Stephanie Krotz, Dachverbandsvorsitzende der Fan Clubs des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim im Workshop „Fan-Frau“.

Gleichberechtigung: Dies betrifft nicht nur die Gleichstellung von Mann und Frau. Zahlreiche Randgruppen kämpfen noch immer gegen Vorurteile und Ausgrenzung, so ist zum Beispiel Homosexualität im Sport nicht nur im Spitzensport noch immer ein Tabu-Thema. Im Sport sollte ein Umfeld geschaffen werden, in dem sich jede(r) Beteiligte und Sportler(in) wohl fühlt, forderte Tanja Walther Ahrens, ehemalige Fußball-Bundesligaspielerin und Delegierte der European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF).

Rahmenprogramm: Traditionell gehört ein gemeinsames Abendessen am Freitag zum Programm. Dieses Mal wurden die Symposiumsteilnehmer zwischen den Gängen von Ines Martinez unterhalten, die mit humorvollen Gesangseinlagen erklärte, was Frauen wollen und wovon Männer träumen …

Resumee
Gleichberechtigung im Ballsport ist sicherlich noch nicht überall gegeben. Positives wurde in diesen zwei Tagen aufgezeigt, aber auch Problematiken, denen sich die Frauen im Ballsport stellen müssen. Es gilt Lösungsansätze zu finden und die Entwicklung weiter voran zu treiben. Rückblickend auf die letzten 50 Jahre dürfen wir aber auch stolz sein auf das, was bisher von und für die Frauen erreicht wurde.
Fazit: Wir sind auf einem guten Weg, aber es gibt noch viel zu tun!
Also, liebe ballsportbegeisterten Frauen: Weiter am Ball bleiben – in jeder Hinsicht!

Bericht & Bilder: Sybille Baecker/VLW




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