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Die Entwicklung des Volleyballspiels in Württemberg

Kurz bevor in Athen die ersten modernen Olympischen Spiele stattfanden, entstand im Jahre 1895 das Volleyballspiel. Das als Ausgleichssport in einem Internat des Christlichen Vereins Junger Männer (YMCA) in Holyocke im US-Bundesstaat Massachusetts von William G. Morgan entwickelte Spiel erhielt den Namen "Mintonette". Bei einer Konferenz im Frühjahr 1896 in Springfield College (USA) führte Morgan sein Spiel vor. Man einigte sich auf den Namen "Volleyball".

Die ersten gedruckten Spielregeln fielen 1897 zwar mit eineinhalb Druckseiten recht kurz aus. Aber der Spielgedanke war geboren und fand rasche Verbreitung. Schon um 1900 kam Volleyball nach Indien und in der Folge nach Südostasien. 1913 wurde bei den ersten Fernostspielen in Manila Volleyball gespielt. Ab 1919 fand Volleyball an vielen europäischen Hochschulen Eingang. In verschiedenen nationalen Sportverbänden, den Armeen, der internationalen Pfadfinderbewegung und dem CVJM hielt Volleyball Einzug.

Seit 1922 werden in der Tschechoslowakei Volleyball-Meisterschaften ausgetragen. Über Polen wurde es von Litauen, Lettland und Estland übernommen. Die KPdSU faßte 1925 den Beschluß, Volleyball in der Sowjet-Union zum Volkssport zu entwickeln. In Jugoslawien, Bulgarien und vor allem in Frankreich gewann Volleyball große Popularität. Es enstand ein internationaler Spielverkehr. Die Presse berichtete von großen Volleyball-Ereignissen in Südamerika, China und Japan.

Die Entwicklung in Deutschland verlief schleppend. 1926 kam Volleyball an die Deutsche Hochschule für Leibesübungen in Berlin. 1931 erschienen einige werbewirksame Artikel mit zahlreichen Fotos in Lehrer- und Turnzeitungen. Die Deutsche Turnerschaft und der CVJM pflegten das Spiel, brachten es aber bis Ende des 2. Weltkriegs nicht zum Durchbruch.

Volleyball verharrte in Deutschland in seinen Anfängen, während es sich international formierte und zu einer weltweiten Bewegung heranwuchs.

1947 wurde in Paris der Internationale Volleyball-Verband (FIVB) gegründet. In Rom wurde 1948 die 1. Europameisterschaft ausgetragen (i. CSSR, 2. Frankreich, 3. Italien). Bereits 1949 fand in Prag die 1. Weltmeisterschaft statt (l. UDSSR, 2. CSSR, 3. Bulgarien). In Deutschland fand Volleyball in der russischen Zone bald nach 1945 Verbreitung und leistungsbezogene Entwicklung. Im Westen ging es zögernd weiter beim Turnen und dem Eichenkreuz. Der Ehrenpräsident des DVV, J. Zeigert, berichtete von ersten Volleyballversuchen im Schulsport in Kusel 1946.

Anfang der Fünfziger Jahre wurde Volleyball bei CVJM gezielt gefördert. Seit 1953 wurden CVJM-Meisterschaften ausgetragen. 1954 kam es zu ersten inoffiziellen Hochschulmeisterschaften. Am 5.5.1955 wurde in Kassel der Deutsche Volleyballverband gegründet.

Der DVV scharte zunehmend Vereine um sich, trug Deutsche Meisterschaften aus und bildete Nationalmannschaften, die schon 1956 international tätig wurden. Neben dem DVV blieben jedoch eigenständige Bewegungen beim Deutschen Turnerbund, beim CVJM, der DJK, bei den FKK-Vereinen und an den Hochschulen. In Württemberg sind die Wurzeln in gleicher Weise vielfältig. Von Volleyball bei Eichenkreuz-Sportfesten sind Quellen bekannt, z.B. 1953 in Reutlingen und 1956 in Waiblingen. 1957 wurde S. Meier vom DVV mit dem Aufbau einerVolleyballorganisation in Württemberg beauftragt.

Zum Durchbruch kam die aufstrebende Bewegung beim Stuttgarter TV, wo Anton Bauer 1959 per Annonce eine Mannschaft fand. Diese wurde auf Anhieb Deutscher Turnspielmeister in Bremerhaven und erneuerte 1960 ihren Erfolg. Sie bemühte sich darauf um Teilnahme bei den DVV Meisterschaften, wo sie 1960 erstmals zugelassen wurde. Aus dem Hochschulsport (Dr. Begov, Dr. Gand, Hedi Wigger) kam 1960 die TSG Tübingen hinzu. Erstmals wurde eine württembergische Meisterschaft im Schwäbischen Turnerbund (STB) ausgetragen. 1961 beteiligte sich außerdem der PSV Reutlingen (F. Schmidt, G. Stiebing). Der BffL Stuttgart (F Bauer, 0. Hilf) kam 1962 hinzu. Alle 4 Vereine begannen neben den wenigen Meisterschaftsspielen mit einer intensiven Turniertätigkeit im In- und Ausland.

Der Stuttgarter TV als damals stärkste Männermannschaft in Württemberg stellte sich unter die Fittiche des STB, während PSV Reutlingen die Bindung an den DVV suchte und am 21.06.1962 als 1. württembergischer Verein Mitglied des DVV wurde.

Am 28.08.1962 wurde die LANDESSTELLE Württemberg des DVV eingerichtet mit F Schmidt als Landeswart. Eine schwere Belastungsprobe für die junge Volleyballentwicklung ergab sich aus dem wachsenden Gegensatz der Interessen des Stuttgarter TV und der 3 übrigen Vereine. Am 18.11.1962 trafen sich PSV Reutlingen, BffL Stuttgart und TSG Tübingen sowie S. Meier in Tübingen und verständigten sich auf die Gründung des VLW. Sie wählten einen kommissarischen Vorstand, gaben die Erstellung einer Satzung in Auftrag und beschlossen die Aufnahme von Spielrunden für Männer und Frauen ab 1963.

Der STB intervenierte als bald. In einem Gespräch am 10.01.1963 wurden die Grundlagen für eine gemeinsame Arbeit geschaffen. Der VLW wurde als unabhängiger Fachverband im STB anerkannt. Der STB erklärte seine Bereitschaft, die Mitgliedschaft im DVV zu beantragen. Schon 1963 wurde der STB vom DVV als Mitglied aufgenommen. Der VLW hielt in der Folge regelmäßig Mitgliederversammlungen, Vorstandssitzungen und Spielrunden ab. Die Zahl der Volleyballvereine wuchs langsam (1963: 4, 1964: 6, 1965: 11, 1966: 16). Die Integration des VLW im DVV fand sichtbaren Ausdruck, als F.Schmidt am 15.02.1964 auf dem DVV-Verbandstag für 4 Jahre zum Vizepräsidenten gewählt wurde.

Zunehmend wurden Vereinshilfen, Übungsleiter- und Schiedsrichterlehrgänge sowie Schiedsrichtereinsätze organisiert. Das Hauptgewicht der Verbandstätigkeit lag jedoch im Spielverkehr, der langsam zunahm. Um die Hinführung zur Deutschen Meisterschaft zu verbessern, wurde 1964 die Regionalliga Süd für Männer gebildet. Eine Regionalspielordnung wurde verabschiedet und ein Vorstand gewählt.

Nun setzte eine stete Aufwärtsbewegung ein. 1967 wurde die 1. Jugendrunde eingerichtet. 1968 wurde dem VLW die erste Talentfördergruppe bewilligt. Ferner wurde die erste Honorartrainerstelle eingerichtet. Die Verbandstätigkeit wuchs, sah sich aber durch knappe finanzielle Ausstattung im STB zunehmend eingeschnürt. Dr. Kober verhandelte 1969 als VLW-Vorsitzender mit dem STB über die Entlassung des VLW, die schließlich 1970 von J. Schenk in einer Vereinbarung zwischen VLW und STB besiegelt wurde. Die Trennung geschah gerade rechtzeitig,um das stürmische Anwachsen in geordnete und selbstbestimmte Bahnen zu lenken. Mit derAufnahme des VLW im Württembergischen Landessportbund 1971 hatte der VLW eine angemessene und ausreichende Finanzierung erreicht.

Mit Hilfe der etwa gleichzeitig vom Land eingeleiteten Leistungsförderung konnte nun der VLW seine eigene sportliche Tätigkeit (Kaderbildung, Stützpunktarbeit, Leistungslehrgänge, Länderspiele) intensivieren. Das Amt des Sportwarts wurde 1971 von dem des Lehrwarts getrennt. Dann wurde der vielfältigen Aufgabenstellung durch Schaffung des Amts des Schulsportbeauftragten (1972, im Vorstand seit 1976) Rechnung getragen.

Seit Anfang der Siebziger Jahre entwickelte der VLW eine lebhafte und fruchtbare Zusammenarbeit mit WLSB und DVV. Die Freundschaft mit dem STB wurde weitergepflegt. Die Aufgaben waren mit ausschließlich ehrenamtlichen Tätigen nicht mehr zu schaffen. 1974 wurde eine Geschäftsstelle mit Teilzeitkraft eingerichtet. Im gleichen Jahr fanden Gespräche mit Nord- und Südbaden statt über einen gemeinsamen Verband. Dieser wurde jedoch von unseren Nachbarn in Freundschaft, aber entschieden abgelehnt. Als Ergebnis der Gespräche wurde die Baden-Württemberg-Liga für Männer errichtet, die allerdings 1978 wieder abgeschafft wurde.

Bereits 1973 gab es eine Regionalisierung von Aufgaben, als erstmals ein Bezirksspielwart eingesetzt wurde. Nach und nach wurden alle wichtigen Aufgaben auf jeweils 4 Bezirksfachwarte verteilt. Bahnbrechende Beschlüsse wurden 1974 zum Spielverkehr gefaßt. Die Staffeln wurden einheitlich auf 9 Mannschaften festgelegt. Von Dreier-Turnieren, in denen jeder gegen jeden spielte, wurde auf 2 Spiele übergegangen, in denen der Heimverein nacheinander gegen die beiden Gastmannschaften spielte. Dieses System ist inzwischen von vielen anderen Landesverbänden übernommen worden. Im Spielverkehr wurde im selben Jahr ein durchgängiges System (1 über 2) geschaffen, das eindeutige und gleichmäßige Auf- und Abstiegsregeln für den ganzen Spielverkehr brachte und bis heute Bestand hat.

Um 1980 wurde es erforderlich, die Verbandsstruktur neu zu gliedern und die Arbeit weiter zu intensivieren: der Geschäftsführende Vorstand, der bisher neben dem Gesamtvorstand keine große Bedeutung hatte, wurde zum wesentlichen Entscheidungsorgan für die laufenden Geschäfte. Er wurde 1980 auf 5 Personen aufgestockt. 1981 wurde der VLW in 4 Bezirke gegliedert, die eigene Bezirksvorstände erhielten. 1982 schließlich wurde das Delegiertensystem eingeführt. Der Verbandstagsrythmus wurde von 1 auf 2 Jahre umgestellt. Die Modernisierung der Verbandsstruktur wurde 1983 weitergeführt mit der Einrichtung einer hauptamtlichen Geschäftsstelle in Nürtingen und seit 1985 zu einem vorläufigen Abschluß gebracht mit der schrittweisen Einführung der EDV in geeigneten Bereichen.

Der Freizeitsport wird seit 1976 im VLW gepflegt und gefördert. Er hat sich inzwischen zu einem zunehmend bedeutender werdenden Zweig des VLW entfaltet, der bundesweit als fortschrittlich gilt. Die flächendeckende bedarfsorientierte Einführung eines Mixed-Spielangebotes neben dem aktiven Spielverkehr ist ein wesentlicher Teil dieser Bemühungen. 1984 wurde erstmals das Amt des Freizeitsportwartes besetzt. Damit hat der VILW zugleich auch seine heute noch gültige Struktur erreicht.

Am Ende der Rückschau über die Entwicklung des VLW muß festgestellt werden, daß diese nur einen groben Überblick Über das vielfältige Verbandsgeschehen geben konnte. Eine Vielzahl ehrenamtlicher Mitarbeiter hat dazu beigetragen, daß über 400 Vereine mit rund 1100 Mannschaften im VLW eine Heimat gefunden haben und daß der VLW zu einem funktionsfähigen und aktiven Verbandsgefüge heranwuchs. Die bisherigen Amtsinhaber und die zahlenmäßige Entwicklung des VLW sind in besonderen Übersichten dargestellt. Die Geschichte der einzelnen Fachbereiche im VLW ist in Einzelberichten enthalten.

Eine Geschichte der Vereine und ihrer Erfolge bleibt dagegen noch zu schreiben. Zu vielfältig sind die einzelnen Entwicklungen und kurz- oder längerfristige Erfolge. Für alle sollen hier genannt werden: TV Creglingen (1986: Einrichtung eines Volleyball-Teilzeitinternats), VfB Friedrichshafen (1987: Aufstieg in die 1. Bundesliga) und insbesondere SG Jugenddorfzentrum Feuerbach (1987 Deutscher Pokalsieger, Bundesliga-Tabellenführer).

Zum Schluß bleibt die Feststellung: der Jubilar VLW präsentiert sich, wie es sich für einen 25-jährigen gehört - jung, ungeduldig, offen, modern, vielfältig, solide und zuverlässig. Er ist für die nächsten Jahre gerüstet und kann sich den neuen Aufgaben stellen.



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