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Jörg Schwenk - als Gründungsmitglied im Verband von Beginn an dabei

30 Jahre VLW-Präsident: Mit Engagement und Durchhaltevermögen für den Volleyball

Jörg Schwenk

Bericht der Volleynews, Ausgabe 04-2000

Visionär und Realist vereint in einer Person: Jörg Schwenk, Gründungsmitglied, Präsident des Volleyball-Landesver-bandes Württemberg, sieht Entwicklungen, die er nicht ändern kann, als Chance für eine Neugestaltung. Im Interview mit den VolleyNews wirft er einen Blick auf 30 Jahre als VLW-Boss.

VN: Sie sind 30 Jahre Präsident des n Volleyball-Landesverbandes Württemberg - eine ungeheuer lange Zeit. Sind Sie ein "Marathon-Mann" oder haben Sie ein besonderes Faible für Sitzungen?

Schwenk: "Ausdauer und Sitzfleisch sind in der Tat nötig für eine 30-Jährige Präsidentschaft; es sammeln sich Erfahrungen und Wissen an, die Interesse wecken, wie es weiter geht und welche Neuerungen und Verbesserungen möglich sind. Ich halte ein lang andauerndes Engagement und Durchhaltevermögen sowie die stets aufs Neue erforderliche Bewährung in einem Organisations- und Personalkörper für durchaus positive Eigenschaften, die der eigenen Entwicklung bis hin zum Beruf und natürlich auch dem betreuten Verband Vieles geben."

VN: Sie haben 1970, nur kurz vor den Olympischen Spielen in München 1972, wodurch Volleyball in Deutschland seinen Boom erlebte, dieses Amt übernommen. Wie viele Menschen haben in Württemberg zu dem Zeitpunkt Volleyball gespielt?

Schwenk: Wir haben 1962 den VLW gegründet mit vier Vereinen und sieben Mannschaften. 1970 waren es bereits 49 Vereine und 102 Mannschaften. Eine Bestandserhebung über die Spieler gab es erst ab 1971 mit der Mitgliedschaft im WLSB. Die Zahl der Spieler lag 1970 bei 2000."

Jörg Schwenk

VN: Wo haben Sie selbst damals Volleyball gespielt?

Schwenk: "Als Student spielte ich bis 1965 bei der TSG Tübingen, danach beim Stuttgarter TV, der 1973 im tus Stuttgart aufgegangen ist. Das Ganze war von Beginn an multifunktional. Der junge Spieler war von Anfang an auch gefordert als Mannschaftsführer, Organisator, Pressewart, Schiedsrichter und Trainer."

VN: Sind Sie heute noch aktiv?

Schwenk: "Ja, ich betreue noch eine Freizeitgruppe und spiele (meist) montags mit großer Begeisterung."

VN: Mit welchem Ziel haben Sie damals als junger Kerl das Präsidentenamt übernommen?

Schwenk: "Der Vorsitzende Dr. Heinz Kober suchte einen Nachfolger. Der Stuttgarter TV hatte Interesse, auf die Führung des württembergischen Volleyballsports Einfluss zu nehmen. Für den jungen Rechtsassessor Schwenk, der das erste Berufsjahr hinter sich hatte, war es eine reizvolle Aufgabe mit vielen Unbekannten, sich um den Vorsitz zu bewerben."

VN: Wer waren oder sind Ihre Weggefährten von damals?

Schwenk: "Durchgehend dabei ist nur unser Sportwart Josef Mosonyi. Viele erinnern sich sicher noch an Fritz Bauer und Franz Schmidt."

VN: Was waren die Volleyball-Höhepunkte und auch -Tiefpunkte, die Sie persönlich miterlebt haben?

Schwenk: "Höhepunkte gab es im sportlichen Bereich immer wieder: Wir haben mit dem Stuttgarter TV mehrfach die Deutsche Turnspielmeisterschaft gewonnen. Die Vorrunde zur Junioren-Europameisterschaft 1975 im Raum Stuttgart war für den VLW eine große Bewährungsprobe mit Top-Ereignis. Das Spiel der Europa-Auswahl der Herren 1988 gegen Deutschland mit über 5000 Zuschauern in der Stuttgarter Schleyerhalle, das Endspiel der Frauen-Europameisterschaft 1989 vor 8000 Zuschauer ebenfalls in der Schleyerhalle sind besonders hervorzuheben. Tiefpunkte gibt es, wenn Verbandstage Beschlussvorschläge nicht mittragen. Ganz unten waren wir mit Volleyball, als der DVV 1995 vor dem finanziellen Aus stand. Er hat Jahre gebraucht, um sich wieder zu erholen."

VN: Wie nah dran an der Basis muss/darf man nach Ihrem Verständnis als Präsident sein?

Schwenk: "Man kann nie nahe genug an der Basis sein, weil die ganze Arbeit, die wir machen, nur sinnvoll ist, wenn sie der Basis nützt. Tatsächlich hat man es aber schwer, genug Präsenz zu zeigen, wenn die Aufgaben und Funktionen zunehmen."

VN: In wiefern hat sich Volleyball seit Ihrer Amtsübernahme verändert?

Schwenk: "Das Volleyballspiel hat sich unheimlich stark entwickelt durch immer längere Trainingszeiten und stärkere Professionalisierung. Die Spitze entfernt sich dadurch aber auch vom Alltagsgeschehen, in dem es zusehends schwieriger wird, ehrenamtliche Helfer, Schiedsrichter und vor allem auch Trainer in den Vereinen zu finden. Der Trend, sich nicht mehr in der Mannschaft zu binden, sondern Sport frei auszuüben, ist auch im Volleyball sehr stark. Es gibt bedauerlicher Weise Anzeichen dafür, dass das Volleyball-Wachstum seinen Höhepunkt erreicht hat. Die Häufung von substanziellen Spielregeländerungen verärgert zudem viele Fans."

VN: Können Sie alle diese Entwicklungen leichten Herzens mittragen oder kommt manchmal auch Wehmut/Frust auf?

Schwenk: "Man darf, wenn man sich für eine Sache einsetzt, vor der Wirklichkeit nicht die Augen verschließen und sich nach schöneren und besseren Zeiten sehnen. Ich bin Realist genug, was nicht geändert werden kann zu akzeptieren oder sogar als Chance anzusehen. Wehmut und Frust sind schlechte Wegbegleiter, die eigentlich zwangsläufig zur Abkehr und Aufgabe führen. Ich habe diese nie Oberhand gewinnen lassen."

VN: Wohin geht die Reise für eine Sportart wie Volleyball, die zurzeit fast ganz von den Bildschirmen verschwunden ist? Selbst der so TV-verwöhnte Fußball leidet ja wohl an Nachwuchsmangel.

Schwenk: "Volleyball hatte seine Kraft aus der Lehrerschaft und den Schulen. Diese hat in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Unser Mitgliederzuwachs kam über all die Jahre kontinu-ierlich, ohne dass es eine wesentliche Medienunterstützung gab - abgesehen von der wichtigen Initialzündung 1972 in München. Das zurückgehende Interesse bei den Jungs muss durch geeignete Maßnahmen pariert werden. Bei denMädchen ist der Zulauf gut und erfreulich."

VN: Glaubt man der Statistik, so interessieren sich sehr viele Jugendliche für Volleyball und speziell für Beachvolleyball. Warum stehen wir dann international nicht besser da?

Schwenk: "Interesse allein reicht nicht, um Leistung sicherzustellen. Es muss ein leistungsorientiertes Gefüge mit talentierten und leistungswilligen Spielern, Spitzentrainern, Internatsbetrieb, Partnerschulbegleitung, sehr guter Finanzausstattung da sein, wenn man sich an die Spitze spielen will. Man darf diese Anforderungen nicht unterschätzen. Vor allem aber sehe ich ein Problem darin, dass es am unbedingten und vollen Einsatz der Spieler fehlt."

VN: Die BaWü-Auswahlen haben gerade beim Bundespokal mit den Plätzen eins und zwei geglänzt. Ernten die drei Verbände Baden-Württembergs nun die Früchte ihrer Kooperation im Leistungssport?

Schwenk: "Ja. Allerdings wären wir ohne ein sehr kompetentes und engagiertes hauptamtliches Team nicht über Jahre hinweg bundesweit mit an der Spitze."

VN: Könnte/sollte man diese Kooperation auch auf anderen Gebieten anstreben? Ein Versuch im Beachvolleyball ist ja leider gerade gescheitert.

Schwenk: "Ja, aber die Zeit ist nach wie vor nicht reif für eine breite Zusammenarbeit. Der VLW hat bereits 1973 seinen ersten Baden-Württemberg-Beschluss gefasst. Wir sind weit davon entfernt, die Realisierung anzugehen. Selbst kleine Schritte machen Mühe. Baden-Württemberg ist das "ungelöste" Problem."

VN: Stichwort Ehrenamt: Auch hier mangelt es auf allen Ebenen zusehends an Nachwuchskräften, die bereit sind, Zeit und Energie zu opfern. Warum ist das so?

Schwenk: "Ich kann mir das schwindende Interesse an ehrenamtlicher Mitarbeit nur so erklären, dass sich die Einstellung zu freiwilliger unentgeltlicher Tätigkeit geändert hat. Ich glaube, dass man sich nicht der Gefahr aussetzen will, ausgenutzt zu werden und Spielräume für die eigenständige Gestaltung von Freizeitspielräumen zu verlieren. Ich vertraue darauf, dass sich der negative Trend wieder umkehrt. Manche Beobachter sagen, man könne Mitarbeiter eher für Projekte als für Ämter gewinnen. Wir müssen das versuchen. Schwer wiegt, dass sich Frauen kaum engagieren."

VN: Kommt da ein großes Problem auf den VLW zu?

Schwenk: "Ich hatte nie ein so ungutes Gefühl zur Volleyballentwicklung in Württemberg wie im vergangenen Jahr."

VN: Sie selbst sind noch Vize-Präsident im Württembergischen Landessportbund und haben zurzeit auch den Vorsitz im LAL. Außerdem fordert Sie auch noch der Beruf. Wo bleibt da Zeit für private Interessen?

Schwenk: "Die Frage ist gut. Private Interessen kommen sicher zu kurz. Wenn die Aufgaben nicht so interessant wären und wenn es nicht eine gute Chance gäbe, gestaltend mitzuwirken und die vielfältigen Erfahrungen einzubringen und anzuwenden, wäre die Mitwirkung auf den vielen verschiedenen Ebenen nicht vertretbar. Man darf auch nicht unterschätzen, dass man im Sport viele interessante, vorbildliche, anregende, kompetente Persönlichkeiten treffen und kennen lernen kann. Im Idealfall gehen die übernommenen Aufgaben in Beruf und Ehrenamt mit in das private Interesse ein. Sonst wäre die Fülle der Inanspruchnahme wohl kaum zu verkraften."

VN: Nach 30 Jahren als VLW-Boss: Wie viel Spaß, wie viel Pflicht und auch Ärger sind mit dabei?

Schwenk: "Es kommt auf die richtige Mischung an, die man finden könnte bei viel Spaß, wenig Pflicht und kaum Ärger. Die Wirklichkeit tendiert zu mäßigem Spaß, viel Pflicht und geringem Ärger."

VN: Angenommen, eine "gute Fee" würde Ihnen anlässlich Ihres Jubiläums drei Wünsche erfüllen. Was würden Sie wählen?

Schwenk: "Ich quäle meine Phantasie nicht gerne mit unrealistischen Anforderungen. Deshalb nenne ich drei sehr nüchtern-praktische Wünsche: gesund bleiben, glücklich sein, gutes Gedeihen von Volleyball."

Zur Person:

Alter: 59 Jahre
Beruf: Leitender Regierungsdirektor im Regierungspräsidium Stuttgart
Verheiratet: seit 1982

Sportliche Laufbahn:


1962 bis 1965: 1. Mannschaft der TSG Tübingen;

1965 bis 1969: 1. Mannschaft des Stuttgarter TV mit Teilnahme an Deutschen Meisterschaften sowie der Bundesliga, später Landesliga, Bezirksklasse, A-Klasse

1963 bis 1994: B-Schiedsrichter

1966 bis heute: Trainer (auch mehrere Jahre von Renate Riek und Beate Bühler)

Ehrenamtliche Laufbahn:

Im VLW:
1961 bis 1965: Abteilungsleiter der TSG Tübingen
1962 bis 1965: Jugendwart im VLW
1962 bis 1963: Lehrwart im VLW
1965 bis 1969: Pressewart im VLW
1969 bis 1970: Schiriwart im VLW
1970 bis heute: Präsident

Im Württemberg. Landessportbund:
Seit 1971: in verschiedenen Äm-tern, darunter auch:
1995 bis 1998: Vertreter Leistungssport im Präsidium
1998 bis heute: Vizepräsident

Im Landessportverband BaWü:
Seit 1991: in verschiedenen Äm-tern, darunter auch:
1995 bis 1999: Stellvertretender Vorsitzender im LAL
Seit 2000: Vorsitzender des LAL

Jörg Schwenk ist als Mitglied des DVV-Präsidiums:
1995 bis heute: Mitglied des Gutacherausschusses Jugendförderung
1973 bis heute: Mitglied/teils Vorsitzender der Satzungskommission
Seit 1987: Vorstandsmitglied in der Stiftung Deutscher Volleyball.



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